Hartz IV Immer mehr Chancen für Langzeitarbeitslose
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Ein wunderbares Beispiel: Immer weniger Menschen im Landkreis Görlitz leben von Hartz IV. Und glücklicherweise eröffnen sich auch immer wieder neue Chancen für Langzeitarbeitslose, endlich aus dem dem Sozialhilfe-Teufelskreis auszubrechen.

Einem Bericht von „sz-online.de“ zufolge soll ein deutsch-chinesisches Unternehmen zuletzt beabsichtigt haben, sich in Rothenburg anzusiedeln und dort künftig mit etwa 1.000 Mitarbeitern Elektrowagen zu produzieren. Gute Chancen für die Langzeitarbeitslosen vor Ort. Felix Breitenstein, Chef des kreiseigenen Jobcenters, verfügt über das größte Arbeitskräftereservoir an der Neiße.

Das Jobcenter betreute im März noch rund 9.000 Arbeitslose. Hinzu kommen dann noch einige weitere erwerbsfähige Leistungsberechtigte. Insgesamt macht das dann rund 19.000 Menschen.

Doch nicht alle dieser Personen sind gleichermaßen in der Lade, einem Job nachzugehen. Einige von ihnen sind abhängig von Alkohol und Drogen, andere können selbst den einfachsten Tagesablauf nicht mehr eigenständig bewältigen.

Doch Felix Breitenstein ist sich sicher, dass seine Behörde für zahlreiche Großinvestoren durchaus interessant sein könnte. Acht bis zehn Prozent seiner Empfänger könnten sofort vermittelt werden und weitere 40 Prozent seien nach einer Qualifizierung ziemlich schnell für den Arbeitsmarkt bereit.

Breitenstein, der früher einmal Unternehmensberater war, möchte sich jedoch nicht nur auf die Aktionen von Großinvestoren verlassen. Selbst wenn sich die Pläne in Rothenburg doch zerschlagen sollten, möchte er den positiv anhaltenden Trend auf dem Arbeitsmarkt nutzen, um die Zahl der Leistungsempfänger zu reduzieren. Schon in den Jahren zuvor konnte sein Vorgänger Eberhard Nagel eine ganze Menge verändern.

Hartz IV – eine unverdiente Strafe?

Als Hartz IV eingeführt wurde, wurde dies von vielen Betroffenen als eine Art unverdiente Strafe wahrgenommen. Denn Hartz IV traf insbesondere auch diejenigen, die im Zuge des Strukturumbruchs in den 1990er Jahren ihre Stelle aufgeben mussten. Verständlicherweise waren viele der Betroffenen am Boden zerstört und empört darüber, vom Arbeitslosengeld I direkt in die Grundsicherung zu fallen.

In Zittau marschierten beispielsweise Demonstranten um die Neustadt und riefen den Passanten zornige Botschaften zu. In Görlitz organisierten Betroffene eine Montagsdemo, die mehrere Jahre lang durchhielt und jeden Montag durch das Zentrum zog.

Armut per Gesetz

Auch die Linkspartei zeigte sich empört und sprach in diesem Zusammenhang den Satz „Armut per Gesetz“ aus – ein Wortspiel für die Hartz-IV-Reform. Denn das Prinzip Fördern und Fordern, welches dem Hartz-IV-Gesetz zugrunde gelegt wurde, funktionierte im Osten wesentlich schlechter als im Westen Deutschlands:

Langzeitarbeitslosen wurden Streichungen ihrer Leistungen angedroht – Jobs konnten kaum geschaffen werden.

Wende nach 15 Jahren

Nun, etwa 15 Jahre später, soll die große Wende kommen. Die Situation hat sich grundlegend geändert. Die Zahl der Sozialhilfeempfänger ist gesunken. Mehr als 4.000 Personen konnte das Jobcenter im Jahr 2016 in sozialversicherungspflichtige Jobs vermitteln.

Dadurch konnte die Arbeitslosenquote auf insgesamt unter 10 Prozent sinken. Der Anteil der unter-25-jährigen Arbeitslosen liegt bei 9,4 Prozent. Breitenstein nennt dies verständlicherweise eine Erfolgsgeschichte.

Doch den Rückgang der Arbeitslosigkeit spürt längst nicht nur das Jobcenter. Es gibt weniger zu betreuende Menschen – Geld wird gespart. Die befristeten Stellen des Jobcenters laufen aus und es gibt keine Neubesetzung der noch knapp 400 Mitarbeiter. Zudem erhält das Jobcenter künftig auch weniger Geld, da weniger Arbeitslose betreut werden.

Breitenstein hatte die Zahlen im Januar im Sozialausschuss im Landkreis vorgestellt. Ihre endgültige Wirkungskraft haben diese jedoch noch nicht in Gänze entfalten können. Damals erklärte er bereits, dass er 18,7 Millionen Euro für die Eingliederung der Hartz-IV-Empfänger in diesem Jahr zur Verfügung hat und somit 3,3 Millionen Euro weniger als im Jahr davon noch.

1,3 Millionen Euro möchte das Jobcenter in diesem Jahr zu 42 Prozent für die Integration der Arbeitslosen in den Arbeitsmarkt einsetzen. 48 Prozent davon sollen für Fortbildungs- und Aktivierungsmaßnahmen eingesetzt werden. Nur noch 10 Prozent sollen für den zweiten Arbeitsmarkt ausgegeben werden.

Ein Jahr zuvor sah das Ausgabenverhältnis noch gänzlich anders aus. Damals waren es 39 zu 40 zu 21. Diejenigen, die besonders darunter zu leiden hatten, waren die Ein-Euro-Jobber. Doch dank der positiven Entwicklung ist ihre Anzahl stark sinkend, und zwar nicht nur im Landkreis Görlitz: Bundesweit liegt die Anzahl der Ein-Euro-Jobber nur noch bei 80.000. Ein Jahr zuvor waren es noch 250.000.

Verstärkter Kontakt zu potenziellen Arbeitgebern

Breitenstein will zudem den Kontakt zu den Arbeitgebern verstärken. Dazu möchte das Jobcenter zu Arbeitgeberkonferenzen einladen. Hier werden sich rund 50 Arbeitgeber mit den Jobcentern austauschen.

Durch einen solchen Schritt möchte Breitenstein insbesondere in Erfahrung bringen, welchen Bedarf die Unternehmen derzeit und in den nächsten fünf Jahren in Bezug auf ihre Mitarbeiterwahl haben. Dies wiederum könnte ihm nämlich ziemlich guten Aufschluss über neue Qualifizierungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten geben.

Bildquelle: © contrastwerkstatt – Fotolia.com

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