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Mobbing-Opfer sind hilflos und unschuldig? Nicht immer. Dies zeigte zumindest eine Studie aus Schweden. Demnach sollen Jugendliche, die von ihren Mitschülern bloßgestellt und drangsaliert werden, ebenfalls oft zum Täter werden.

Die Frage nach der Schuld: Keine einfache Frage

Für die Eltern ist die Sache meist eindeutig: Wird das eigene Kind gemobbt, sind erst einmal die anderen Schuld. Das ist zwar verständlich, leider handelt es sich hierbei jedoch nur die Hälfte der Wahrheit. Während Eltern ihre Kinder nämlich schon instinktiv in den Schutz nehmen, arbeiten Therapeuten in ihren Fällen etwas anders.

Sie hören die sich Geschichte erstmal genau an, bevor sie anfangen, sich ein Bild von der Szenerie zu machen. Sie hinterfragen genau. Und geschickt. Dadurch kommt oft Erstaunliches zu Tage: Denn die Frage nach der Schuld lässt sich nicht immer einfach beantworten.

Dies bestätigt auch eine Studie aus Schweden: Wolfgang Melzer, ein Erziehungswissenschaftler von der Technischen Universität Dresden, konnte feststellen, dass etwa jedes fünfte Mobbing-Opfer andere Kinder drangsaliert und schikaniert.

Mobbing weit verbreitet

Wolfgang Melzer stieß im Zuge seiner Arbeit auch auf weitere interessante Anhaltspunkte: So fand er heraus, dass Mobbing-Opfer sogar häufiger das Ziel von körperlicher Gewalt werden, wenn sie jünger sind. Etwa fünf Prozent der Jugendlichen sollen sogar über mehrere Wochen oder Monate hinweg von ihren Mitschülern auf sadistische Weise gequält werden.

Deutlich häufiger kommt jedoch eine weniger sadistische Form des Mobbings vor. So soll bei einer Befragung herausgekommen sein, dass etwa jeder fünfte Schüler in der Woche vor der Befragung von anderen Schülern bloßgestellt worden war. Ein Drittel berichtete von Beleidigungen und Hänseleien.

Sind die Opfer nicht ganz unschuldig?

Normalerweise nehmen Eltern ihre Kinder dann in Schutz, doch wie sich im Rahmen der Studie herausstellte, sind viele Mobbing-Opfer nicht ganz unschuldig.

Innerhalb der Befragung in Schweden stellte sich heraus, dass sage und schreibe fast 70 Prozent der 15- und 16-Jährigen der Opfer zumindest eine Mitschuld tragen. Zum Beispiel dann, wenn die Betroffenen häufig das Bedürfnis hätten, Macht, Status oder Beliebtheit bei den Altersgenommen zu sichern.

Teilweise halten Therapeuten sogar in Einzelfällen eine Aussage wie „wer betroffen ist, ist selbst schuld“ für annehmbar.

Bildquelle: © Antonioguillem – Fotolia.com

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