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Schon Goethe beschrieb den Zustand als „zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt“ und heute gehört die manisch-depressive Störung, medizinisch bekannt als bipolare Störung, zu einer der häufigeren psychischen Erkrankungen in Deutschland.

Die bipolare affektive Störung zeichnet sich durch abwechselnde Phasen von absoluter Euphorie (manisch) und extremer Niedergeschlagenheit (depressiv) aus. Da diese Phasen in der ersten Zeit der Erkrankung auch in sehr schwacher Form vorkommen können, dauert es oft Jahre, bis die Krankheit richtig diagnostiziert und behandelt wird. Doch wie sieht diese Behandlung aus?

Überblick:

  • Wen kann es treffen?
  • Wie kommt es zu einer bipolaren Störung?
  • Was sind die Symptome?
  • Wie kann man eine bipolare Störung behandeln?
  • Die medikamentöse Behandlung einer bipolaren Störung
  • Behandlung durch Psychotherapie
  • Wachtherapie in der depressiven Phase
  • Für akute Fälle – die Elektrokrampftherapie

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Wen kann es treffen?

Studien haben gezeigt, dass die bipolare Störung häufig vor dem 25. Lebensjahr auftritt und das sowohl bei Frauen als auch bei Männern. Es ist eine familiäre Häufung zu beobachten: Verwandte von Familienmitgliedern ersten Grades mit der bipolaren Störung haben ein etwa zehnmal höheres Risiko, ebenfalls eine bipolare Störung zu entwickeln. Sind es gar beide Eltern, die betroffen sind, steigt das Risiko auf 50 % hinsichtlich der Weitergabe der Erkrankung.

Wie kommt es zu einer bipolaren Störung?

Die Ursachen für eine solche Störung sind bis heute nicht komplett geklärt. Es wird davon ausgegangen, dass es bei manisch-depressiven Patienten zu einem Ungleichgewicht verschiedener Überträgersubstanzen im Hirn kommt.

Diese sogenannten Neurotransmitter – allen voran der Stoff Noradrenalin – kommen vereinfacht gesagt nicht dort an, wo sie sollen und führen so zu Störungen im Gehirnstoffwechsel.

Was sind die Symptome?

Die Symptome bei der bipolaren Störung sind zu unterscheiden zwischen der depressiven und der manischen Phase. In der depressiven Phase sind die Betroffenen meist antriebslos, niedergeschlagen und ziehen sich von ihrer Familie zurück.

Sie leiden unter Schlaf- und Konzentrationsstörungen sowie Appetitlosigkeit, was zu einem starken Gewichtsverlust führen kann. In schlimmen Phasen kreisen die Gedanken immer mehr um Suizid. Die Symptome gleichen im Großen und Ganzen denen einer Depression.
Kommen nun allerdings die Symptome einer manischen Phase hinzu, handelt es sich höchstwahrscheinlich um eine bipolare Störung:

  • Überschwängliches Verhalten
  • Gesteigertes Redebedürfnis, oft einhergehend mit einer höheren Sprechgeschwindigkeit
  • Aktiveres Verhalten, mehr Unternehmensdrang
  • Übersteigertes Selbstvertrauen bis hin zum Realitätsverlust
  • Offensiveres soziales Verhalten bis hin zum Größenwahn

Wie kann man die bipolare Störung behandeln?

Die Abstände der Phasen sind von Mensch zu Mensch verschieden; mal können es Wochen oder gar Monate sein, in besonders schlimmen Fällen können die Wechsel sogar stündlich stattfinden. Wurde die Krankheit diagnostiziert (was oft fünf bis zehn Jahre dauern kann), gibt es verschiedene Formen der Therapie. Allen voran bekommt der Betroffene stimmungsstabilisierende Medikamente verabreicht.

Dabei gibt es drei wichtige Phasen in der Behandlung: die akute Phase, die Stabilisierungsphase sowie die Rückfallprophylaxe. Viele der verschiedenen Therapieformen kommen in den drei Phasen gemeinsam zum Einsatz.

Die medikamentöse Behandlung einer bipolaren Störung

Bei der medikamentösen Behandlung liegt das Hauptaugenmerk darauf, die Stimmungslage des Patienten zu stabilisieren. Um beide Phasen zu therapieren, werden dafür Medikamente kombiniert: Stimmungsstabilisierer wie Lithium und atypische Neuroleptika, aber auch Antidepressiva und Beruhigungsmittel.

In der akuten Phase der Therapie geht es zunächst darum, den Patienten „einzupegeln“, was einige Wochen dauern kann. In der Stabilisierungsphase wird der Patient auf die Medikamente eingestellt, welches oft auch mit einer Verringerung der Medikamentenmengen einhergeht.

Die medikamentöse Behandlung muss oft ein Leben lang anhalten, um einen Rückfall in die Krankheit zu verhindern. Patienten sollten auf keinen Fall die Medikamente ohne vorherige Rücksprache mit dem Arzt abgesetzt werden, da dies einen neuerlichen Ausbruch der Krankheit bedeuten könnte.

Behandlung durch Psychotherapie

Wenn man Glück hat, gehört man zu dem einen Drittel der Betroffenen, die die bipolare Störung endgültig hinter sich lassen können. Doch die Wahrscheinlichkeit ist größter, dass die Krankheit einen das ganze Leben lang begleiten wird. Die Psychotherapie setzt genau hier an: sie hilft den Betroffenen mit der Krankheit umzugehen, neue Schübe frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern, den Tagesablauf zu strukturieren und vieles mehr.

Mit der Psychotherapie lernen Betroffene zum Beispiel ihren Tagesrhythmus auch trotz einer manischen oder depressiven Phase beizubehalten und Stress im Alltag zu reduzieren. Auch eine Familientherapie kann zu Erfolgen führen, da hier auch die Liebsten miteinbezogen werden. Denn auch diese müssen den Umgang mit einem bipolaren Familienmitglied erst lernen, um unterstützend wirken zu können.

Wachtherapie in der depressiven Phase

Bei zahlreichen bipolaren Patienten hat sich eine recht ungewöhnliche Therapieform als äußerst erfolgreich erwiesen: die Wachtherapie. Bei dieser bleibt der Betroffene eine Nacht lang wach – und der Schlafentzug hilft überraschenderweise dabei, die Laune zu heben und die depressive Phase zu verlassen.

Diese Taktik kann bei jeder erneuten depressiven Phase wiederholt werden, sollte allerdings immer nur unter strenger ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden. Der Arzt kann mit zusätzlichen Medikamenten nämlich den plötzlichen Ausbruch einer manischen Phase verhindern und den Patienten kontrolliert durch den Prozess führen.

Für akute Fälle – die Elektrokrampftherapie

Auf den ersten Blick mag die Elektrokrampftherapie wie etwas aus Frankensteins Labor klingen, aber die Therapie hat sich gerade bei akut suizidgefährdeten manisch-depressiven Patienten als echte Alternative erwiesen.

Hierbei wird der Patient in Vollnarkose versetzt und durch an den Körper angeschlossene Elektroden ein Krampfanfall simuliert. Dieser kann sowohl bei der manischen als auch der depressiven Phase zu einer sofortigen Verbesserung des Gemütszustands führen. Die Vorteile dieser Methode liegen auf der Hand:

  • Wirkt sofort (und nicht wie Medikamente erst nach einigen Wochen)
  • Der Patient bekommt von der Therapie nichts mit
  • Die Elektrokrampftherapie verfügt über keine Nebenwirkungen

Wenn Sie selbst die Befürchtung haben, unter einer bipolaren Störung zu leiden oder jemanden kennen, der typische Symptome zeigt, zögern Sie bitte nicht, schnellstmöglichst ärztliche Unterstützung zu suchen! Je früher die Krankheit diagnostiziert behandelt wird, desto schneller kann den Betroffenen geholfen werden.

Bildquelle: © ra2 studio – Fotolia.com

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