Mehr als Hartz IV? Wie viel Geld bekommen Flüchtlinge wirklich? 
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Viele schimpfen auf die Regierung – und mittlerweile auch immer mehr direkt auf die Flüchtlinge. Während ein beachtlicher Großteil der Deutschen schon längst das Gefühl hat, von der Regierung absolut vernachlässigt zu werden, ringt sich allmählich der Verdacht durch, dass es vielen Flüchtlingen doch mittlerweile besser ergehen müsste, als den meisten Einheimischen, die auf Sozialleistungen angewiesen sind. Doch was ist dran an dieser Behauptung?

Ein hartnäckiges Gerücht, dass sich wacker über Wasser hält: Erhalten Asylbewerber mehr Unterstützung als Deutsche, die von Hartz IV leben? Zu Recht fühlen sich viele Sozialhilfeempfänger zumindest schlecht behandelt und vom Staat vernachlässigt. Doch sind die Asylbewerber schuld an diesem Desaster? Wohl kaum. Tatsächlich nahm das Übel nämlich schön lange vor der Flüchtlingskrise seinen Lauf…

Bei den Jobcentern fühlt man sich schon seit Jahren nicht gerade gut aufgehoben, sondern vielmehr wie irgendeine Nummer. Man wird nicht wie ein notleidender Mensch behandelt, sondern als „Kunde“ von den Beratern empfangen. Und diese wiederum versuchen nicht, das Beste für den Sozialhilfebezieher zu erreichen, sondern lediglich die Statistiken der Vorgesetzten zu erfüllen. Ein Trauerspiel.

Kein Wunder, dass man in einer solchen Situation schon mal links und rechts guckt und mit Bedauern feststellt, dass es scheinbar vielen anderen deutlich besser geht. Doch ist das wirklich so?

Das sagen die Zahlen

Auf Anfrage der „MAZ“ legte das Jobcenter des Landkreises Havelland, welches für die Leistungsgewährung nach dem Zweiten Sozialgesetzbuch (SGB II) zuständig ist, die Zahlen offen.

Demnach erhält ein Paar mit einem vierjährigen Kind nach dem SGB-II-Regelsatz pro Monat 973 Euro – jeder Elternteil erhält 368 Euro und für das Kind gibt es noch einmal 237 Euro. Da das Kindergeld angerechnet wird, bleibt der Betrag. Die Bruttowarmmiete wird vom Landkreis übernommen.

Entgegen vieler Vorurteile muss eine Flüchtlingsfamilie mit einem vierjährigen Kind dagegen mit weniger Geld auskommen: 850 Euro gibt es. Ein Kindergeld wird für Asylsuchende nicht gezahlt. Kosten der Unterkunft entfallen ebenfalls, da die Asylbewerber meist in Gemeinschaftsunterkünften leben.

Dabei sind die Leistungen für Asylbewerber im Asylbewerberleistungsgesetz festgelegt. Pro Monat erhält ein Erwachsener 318 Euro – weniger also als einem erwachsenen Bezieher von Hartz IV zusteht.

Eine Flüchtlingsfamilie mit vier Kindern im Alter von vier, sieben, fünfzehn und sechzehn Jahren erhält pro Monat eine staatliche Unterstützung in Höhe von 1.644 Euro. Eine Familie mit der selben Anzahl von Kindern in diesem Alter würde je Monat 1.886 Euro erhalten.

Wie verhält es sich mit den Mehrbedarfen?

Einen weiteren Unterschied soll es laut der Pressestelle des Landkreises in Bezug auf die Erstausstattung für eine Wohnung geben. Hier stellt ein Jobcenter des Landkreises den Leistungsberechtigten nach SGB II technische Geräte wie Herd, Waschmaschine und Kühlschrank über eine Möbelbörse unentgeltlich zur Verfügung. Ebenso verhält es sich nach einem Wohnungsbrand sowie bei einer Trennung vom Partner.

Asylbewerber erhalten in diesen Fällen normalerweise keinen Zuschuss, denn ihnen werden diverse Haushaltsgeräte in den Gemeinschaftsunterkünften zur Verfügung gestellt. Die Asylsuchenden teilen sich beispielsweise meist eine Gemeinschaftsküche mit den anderen Bewohnern der Unterkunft.

Zusätzliche Leistungen können bei Schwangeren, bei Alleinerziehenden oder bei Menschen mit Behinderung hinzukommen, sofern sie im Bezug von Sozialleistungen nach SGB II stehen. Zudem gibt es auch für Kinder und Jugendliche Zuschüsse, wenn diese beispielsweise an Klassenfahrten, an Lernförderungen oder vergleichbaren Programmen teilnehmen.

Ist es gewollt, dass sich die sozial Schlechtgestellten verfeinden?

Die Zahlen sprechen Bände: Das Gerücht, das Flüchtlinge mehr Geld erhalten als einheimische Bezieher von Hartz IV ist damit zerschlagen. Doch wie kommt es überhaupt dazu, dass sich eine solche Vorstellung in der Bevölkerung breit macht?

Eine eindeutige Antwort ist schwer ausfindig zu machen. Doch viel wichtiger ist eigentlich die traurige Tatsache, dass sich eindeutig die sozial am schwächsten gestellten Bevölkerungsschichten verfeinden – während diejenigen, die für das Desaster tatsächlich verantwortlich sind, nicht zur Rechenschaft gezogen werden für das, was sie Millionen von Menschen angetan haben.

Beitragsbildquelle: © Jonathan Stutz – Fotolia.com

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