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Die lange und kontrovers diskutierte flächendeckende Einführung des Mindestlohns zum 1. Januar 2015 hat sich bislang nicht negativ auf den Arbeitsmarkt ausgewirkt, wie aktuelle Studien eindrücklich belegen. Konnte die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisse steigen, reduzierten sich auf der anderen Seite die sogenannten Minijobs. Die Verantwortlichen ziehen daher eine positive Zwischenbilanz.

Übersicht: 

  • Offizielle Studie ausgewiesener Mindestlohn-Experten
  • Weniger geringfügig Beschäftigte in typischen Niedriglohnbereichen
  • Rückgang der Hartz-IV-Aufstocker bis zum Jahresende
  • Nachbesserungen und Kontrolle notwendig

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Offizielle Studie ausgewiesener Mindestlohn-Experten

Um die Auswirkungen der flächendeckenden Einführung des Mindestlohns von 8,50 Euro auf den deutschen Arbeitsmarkt zu untersuchen, analysierten Dr. Claudia Weinkopf, Expertin am Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Uni Duisburg-Essen sowie wissenschaftliches Mitglied der Mindestlohnkommission der deutschen Bundesregierung, und Dr. Thorsten Schulten, der als Forscher am Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung tätig ist, die aktuellen Daten.

Sie kamen zu dem überraschenden Schluss, dass die großen Jobverluste, die viele Wirtschaftswissenschaftler vorhergesagt hatten, ausgeblieben sind – im Gegenteil. Unter dem Strich ergibt sich nämlich eine Zunahme der sozialversicherungspflichtigen Jobs, der allerdings der Rückgang der Minijobs gegenübergestellt werden muss.

Weniger geringfügig Beschäftigte in typischen Niedriglohnbereichen

Diese Anzahl der sogenannten Minijobs mit relativ schlechten Bezahlung und unzureichender Absicherung gingen seit Ende 2014 um rund 206.000 Stellen zurück. Allein für das erste Quartal schlugen 190.000 geringfügige Beschäftigungsverhältnisse weniger zu Buche, wie die Minijob-Zentrale mitteilte. Die nächste Auswertung zum Jahresende wird dann genauere Rückschlüsse zulassen.

Allerdings kamen auf der anderen Seite rund 170.000 sozialversicherungspflichtige Jobs hinzu, werden die Zahlen April 2014 mit denen von April 2015 verglichen. Auch hier bestimmen die typischen Niedriglohnbereiche, wie beispielsweise Gastronomie, Handel und sonstige Dienstleistungen, das Bild. Weinkopf und Schulten gehen in ihrer Analyse daher davon aus, dass aus einer ganzen Reihe von geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen nun sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse geworden sind.

Rückgang der Hartz-IV-Aufstocker bis zum Jahresende

Vom Anstieg der Löhne im Niedriglohnsektor um rund 9,3 Prozent profitieren laut einer Auswertung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) vor allem die Beschäftigten in der ostdeutschen Nahrungsmittelindustrie.

So wird erwartet, dass die Anzahl der Aufstocker, die trotz Vollbeschäftigung so wenig verdienen, dass sie Anspruch auf Unterstützung durch Hartz IV haben, bis zum Jahresende um rund 60.000 abnimmt. Dieses positive Ergebnis wird allerdings beeinträchtigt von einigen Auswüchsen, die einer stärkeren Kontrolle bedürfen – auch zu diesem Ergebnis kommt die Studie.

Nachbesserungen und Kontrolle notwendig

Dem DGB fehlt bislang noch der belastbare Nachweis, dass wirklich so viele Minijobs in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse überführt wurden. Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer befürchtet im Gegenteil den Verlust zahlreicher Stellen, weswegen intensive Kontrollen durchgeführt werden müssten. Eine umfassende Auswertung der Entwicklung wird zum Jahresende erwartet.

Bildquelle: © Trueffelpix – Fotolia.com

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