Geld verdienenSteuer am

Die Pfandflaschensammler gehören mittlerweile in weiten Teilen Deutschlands zum Stadtbild. Sie beugen sich über Mülltonnen und Abfalleimer und fischen die weggeworfenen Mehrweggetränkebehälter heraus. Dosen, Glas- und Plastikflaschen sind bares Geld wert und werden von den meisten Menschen unterwegs einfach weggeworfen. In den Mülleimern lagern durchaus beachtliche Geldbeträge, wie das Beispiel eines mittlerweile prominenten Pfandflaschensammlers zeigt.

Wer ist Eduard Lüning?

„Mit Dosenpfand zum Wohnmobil“ – so heißt das Buch, dass Eduard Lüning schrieb, nachdem er allein durch das Einsammeln von Dosenpfand einen Betrag von rund 13.000€ „verdient“ hatte. Doch hatte er das Geld wirklich verdient? Und war das Geld dann als Verdienst zu klassifizieren und somit für den Pfandflaschensammler steuerpflichtig? Wir gehen der Sache auf den Grund und erklären, wann Pfandflaschensammler ein steuerpflichtiger „Beruf“ werden kann.

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Das Geschäft mit dem Pfandflaschensammeln

Warum ist das Pfandflaschensammeln so ein weit verbreitetes Phänomen in Deutschland geworden? Zunächst einmal stehen am Anfang dieser Geschichte natürlich das Flaschen- und Dosenpfand, ohne die sich der Trend natürlich überhaupt gar nicht erst entwickelt hätte.

Auf PET-Flaschen und die meisten Mehrwegdosen gibt es 25 Cent Pfand, normale Bierflaschen bringen 8 Cent ein. Wer also – wie Lüning damals auf verschiedenen OpenAir-Festivals – über 30.000 Behälter sammelt, hat ein ordentliches Sümmchen zusammen.

Professionelles Pfandflaschensammeln

Das denken sich auch immer mehr Flaschensammler in deutschen Großstädten. Vor allem rund um publikumsstarke Orte, wie Bahnhöfe, Stadien oder in Fußgängerzonen haben die Pfandflaschensammler ihre Reviere.

Diese sind durchaus auch abgesteckt und festgelegt, denn das Geschäft mit dem Flaschen- und Dosenpfand lohnt sich eben. Das gilt umso mehr bei den Ausnahmeveranstaltungen mit besonders hohem Publikumsaufkommen und gleichzeitig besonders hohem Getränkekonsum.

Wo lohnt sich Pfandflaschensammeln besonders?

Das sind natürlich hauptsächlich Veranstaltungen, bei denen es ums Feiern geht, also nicht etwa Demonstrationen oder Kundgebungen, sondern eher Veranstaltungen wie etwa:

  • OpenAir Festivals
  • FreiluftPartys, wie zum Beispiel die Loveparade
  • Public Viewing
  • Karneval
  • Silvester

Wie viel Geld dürfen Pfandflaschensammler einnehmen?

Wer auf solchen Events – wie Lüning einst – Zehntausende Behälter sammelt und zum nächsten Getränke oder Supermarkt bringt, kann auch viel Geld mit dem Pfandflaschensammeln verdienen. Pfandsammeln kann eine echte Gehaltsaufbesserung werden, und damit kommen wir zu den rechtlichen, bzw. steuerrechtlichen Aspekten rund um die Pfandflaschensammlerei.

Pfandflaschensammler und Grundfreibetrag

Steuern müssen allgemein dann nicht gezahlt werden, wenn ein Grundfreibetrag von 8.472€ im Jahr nicht überschritten wird. Das heißt also, dass ein Flaschensammler im Prinzip 33.888 Bierdosen oder PET-Falschen sammeln dürfte, ohne für seinen Pfand Steuern bezahlen zu müssen. Das gilt aber nur, wenn sonst keine Einkünfte zu verzeichnen sind.

Heruntergerechnet auf ein Jahr, würde ein professioneller Pfandflaschensammler so 92 Dosen oder PET-Flaschen, bzw. knapp 300 Bierflaschen am Tag können, ohne für das Pfandsammeln Steuern zahlen zu müssen.

Wann ist man als Pfandflaschensammler einkommensteuerpflichtig?

Anders verhält es sich, wenn ein Pfandflaschensammler noch andere Einkünfte hat. Solange nämlich der Grundfreibetrag überschritten wird oder wenn andere Einkünfte vorliegen, darf das Jahreseinkommen durch das Flaschensammeln 256€ nicht überschreiten. Ansonsten ist es steuerpflichtig, wie auch die anderen „sonstigen Einkünfte“.

Pfandsammeln = sonstige Einkünfte

Muss man doch eine Einkommensteuererklärung überreichen, fallen die Einkünfte aus dem Flaschensammeln nach § 22 Nr. 3 EStG in die Kategorie sonstige Einkünfte, wie auch Unterhalt, Renten oder private Veräußerungsgeschäfte. Pfandflaschensammler ist daher kein offizieller Beruf, wie ja auch nicht „Unterhaltsbezieher“ oder „Rentner“.

Dürfen Pfandflaschensammler Harzt 4 erhalten?

Eine häufige Frage, die sich anschließt ist die nach dem Flaschensammeln bei Harzt-4-Bezug. Dürfen Hartz-4-Empfänger durch Flaschensammeln ihre Bezüge ergänzen? Laut einer aktuellen Befragung in deutschen Jobcentern ist das möglich und erlaubt. Grund ist – wie eben bereits beschrieben -, dass Pfandsammeln nicht als Erwerbstätigkeit zählt. Pfandflaschensammeln wird ignoriert, und es sind hierfür keine Beläge erforderlich.

Obergrenze für Pfandflaschen im Supermarkt?

Nach Berichten rund um die „Pfandflaschensammler-Legende“ Lüning hat dieser einmal einen Betrag von mehr als 1.100€ in einem Supermarkt ausgezahlt bekommen!

Begünstigt wird dies durch zwei Faktoren:

  • 1. Supermärkte und Getränkemärkte haben grundsätzlich keine Obergrenze für die Annahme von Pfandflaschen und Dosen.
  • 2. Sie müssen mit dem Leergutbon nichts kaufen, sondern können sich in den allermeisten Supermärkten einfach den Betrag für die gesammelten Getränkebehälter auszahlen lassen.

Jedes Leergut in jedem Supermarkt abgeben?

Dazu kommt noch ein weiterer Aspekt, der die professionellen Pfandflaschensammler begünstigt: Heutzutage nimmt fast jeder Super- oder Getränkemarkt jede Art von Leergut an. Nahmen viele Märkte nur Leergut an, dass vorher auch voll dort gekauft wurde, lässt sich heute alles nahezu überall gegen Bares eintauschen. Die Infrastruktur für ein fast schon gewerbliches Flaschensammeln ist also durchaus gegeben.

Unterstützung für die Leergutsammler durch Pfandringe

Viele Städte gehen sogar noch weiter, indem sie so genannte Pfandringe an öffentlichen Mülleimern anbringen. In diese kann man Dosen und Flaschen hineinstecken, sodass die Pfandflaschensammler nicht mehr in den Tonnen wühlen müssen. Zudem nehmen die Dosen und Flaschen keinen Platz mehr in den Müllbehältern weg, sodass dort mehr vom wirklichen Müll hineinpasst.

Was bringen uns die Pfandflaschensammler?

Und damit zu einem sozialen und ökologischen Aspekt rund ums Pfandsammeln: Viele betrachten Pfandflaschensammler mit gerümpfter Nase. Doch sie tun auch etwas für die Umwelt, indem sie die Getränkebehälter überall aufsammeln. Daher verrichten die Pfandflaschensammler ihre „Arbeit“ also nicht nur in eigenem Sinne, sondern auch im Sinne sauberer Städte und Gemeinden. Ein Prost auf die Pfandflaschensammler!

Bildquelle: © Yantra – Fotolia.com

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