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Der Begriff Prokurist stammt vom Lateinisch-Italienischen ab und bedeutet übersetzt „derjenige, der mit der Sorge betraut“ ist. Als leitender Angestellter innerhalb eines Unternehmens gilt er als Handlungsbevollmächtigter und als Stellvertreter der Geschäftsleitung.

Kein Wunder, dass dieser Posten als echte berufliche Herausforderung gilt, für deren Bewältigung man sowohl ein hohes Maß an Kompetenz als auch Fingerspitzengefühl benötigt.

Aber wie wird man überhaupt Prokurist, was verdient man als solcher und wie sieht es mit den Karrierechancen aus?

Übersicht:

  • Welche Aufgaben hat ein Prokurist?
  • Welche Verantwortung trägt ein Prokurist?
  • Wie wird man Prokurist?
  • Was verdient man als Prokurist?
  • Welche Karriereaussichten hat man als Prokurist?

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Welche Aufgaben hat ein Prokurist?

Abhängig von der Form der Handlungsvollmacht reichen die Befugnisse eines Prokuristen unterschiedlich weit.

Er kann die Firma sowohl nach außen hin vertreten und dabei:

  • Verbindlichkeiten eingehen,
  • Vergleiche und Prozesse führen als auch
  • Wechsel zeichnen

und das Unternehmen ebenso vertreten wie ein Geschäftsführer.

Zudem darf er bei entsprechender Vollmacht firmenintern:

  • neue Mitarbeiter einstellen oder andere entlassen oder
  • kleinteiligere Prokura als die eigenen erteilen.

Damit immer offensichtlich ist, dass es sich bei der Unterzeichnung vom Verträgen um eine Unterschrift des Prokuristen handelt, versieht er seine Unterschrift mit dem Zusatz „ppa“ (procura autoritate).

Das ist insofern wichtig, als dass er im Gegensatz zum Geschäftsführer nicht namentlich auf den Geschäftspapieren aufgeführt werden muss. Auch haftet der Prokurist nicht wie dieser mit seiner Unterschrift nie mit seinem persönlichen Vermögen, weil er nicht als Unternehmensgesellschafter eingetragen ist.

Allerdings muss der Prokurist auf alle Fälle als bevollmächtigte Person explizit ernannt werden und darüber hinaus als leitender Angestellter einer Kapitalgesellschaft in das Handelsregister mit eingetragen werden.

Bis dieser Vorgang abgeschlossen ist, gilt die Prokura jedoch auch schon mit einer entsprechenden schriftlichen oder mündlichen Mitteilung des Geschäftsführers an den Prokuristen.

Diese behält selbst im Todesfall des Geschäftsführers und / oder -inhabers ihre Gültigkeit.

Welche Verantwortung trägt man als Prokurist?

Weil Prokuristen in den meisten Fällen weitreichende Befugnisse in Bezug auf die Wirtschafts- und Personalpolitik des Unternehmens besitzen, ist es von großer Wichtigkeit, dass sie einen guten Überblick über die tatsächlichen Vorgänge und emotionalen Strömungen im Unternehmen besitzen.

Immerhin dürfen sie nicht nur selbstständig Verträge abschließen, sondern können auch neues Personal einstellen oder altes Personal entlassen.

Das ändert jedoch nichts daran, dass man ein Arbeitnehmer ist und bleibt – und als leitender Angestellter sogar auf einen Tarifvertrag verzichten muss. Insofern setzt auch das Aushandeln der eigenen Entlohnung Kompetenz und Geschick voraus.

Wie wird man Prokurist?

Um Prokurist zu werden, benötigt man keine ganz spezielle Ausbildung, da die Ausbildung zum Prokuristen nicht gesetzlich festgelegt ist.
Nichtsdestotrotz sollte man beruflich kompetent sein und ein gelungenes Vertrauensverhältnis zum Geschäftsinhaber und / oder Geschäftsführer pflegen.

Optimalerweise hat man daher bereits eine kaufmännische Ausbildung, noch besser ein wirtschaftliches Studium absolviert und verfügt über eine mehrjährige Berufserfahrung.

Geeignete Studiengange sind beispielsweise Wirtschaftswissenschaften oder Betriebswissenschaften – und auch umfangreichere Weiterbildungen für zukünftige Prokuristen, wie sie unter anderem vom TÜV Nord angeboten werden, machen durchaus Sinn,

Grundsätzlich ist es in kleineren Firmen im Durchschnitt einfacher, als Prokurist engagiert zu werden, da die Voraussetzungen meist etwas niedriger angesetzt werden.

Nichtsdestotrotz ist diese Aufgabe auch in ihnen mit einer hohen Verantwortung verbunden und setzt gerade in ihnen ein gutes Verhältnis zum Chef voraus.

Was verdient man als Prokurist?

Nebenjob

Die Aufgaben eines Prokuristen nehmen so viel Zeit und Konzentration in Anspruch, dass dieser Posten nahezu nie in Nebenjob-, sondern fast immer in Vollzeit-Form vergeben wird.

Das Gehalt eines Prokuristen wird daher im Folgenden in Bezug auf einen hauptberuflichen Prokuristen beleuchtet.

Hauptberuflich

Grundsätzlich schwankt das Gehalt eines Prokuristen in Abhängigkeit von verschiedenen Faktoren. Dazu zählen vor allem die Unternehmensgröße und die Auftragslage der Firma.

Das Gehalt eines Prokuristen ist daher recht variabel und beträgt meist zwischen 15% und 25% des Gesamtjahreseinkommens, weshalb die Mehrheit der Prokuristen etwa 60.000 bis 100.000 € brutto pro Jahr verdienen.

Darüber hinaus spielen auch die Branche und das Bundesland, in dem der Prokurist tätig ist, eine entscheidende Rolle:

  • Die höchsten Gehälter zahlen aktuell (Stand 2016) die Chemie- und Verfahrenstechnik-Branche mit etwa 118.500 € im Jahresbrutto. Platz 2 geht an die Automobilindustrie mit 116.400 € brutto pro Jahr und Prokuristen im Maschinenbau können immerhin noch mit gut 90.700 € Jahresbrutto rechnen – Platz 3 im Top-Ranking.
  • In Bezug auf die Bundesländer verdient man in Hessen als Mann mit gut 94.500 € brutto pro Jahr am meisten, es folgen Baden-Württemberg und Bayern. Das Schlusslicht ist der Prokurist in Mecklenburg-Vorpommern mit etwa 65.700 € brutto pro Jahr.

Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern

Im Gegensatz zu vielen anderen Berufsbildern entsprechen sich bei den Prokuristen die Männer- und Frauengehälter im vergleichsweise großen Maße.

Das liegt jedoch dann daran, dass es sich bei den wenigen Frauen, die tatsächlich Prokuristinnen werden, um fast Frauen handelt, die ihre Karriere kontinuierlich voran getrieben haben und keine längeren Zeiten im Rahmen ihrer Familienplanung und Familien-und-Berufsgestaltung für längere Zeit komplett ausgesetzt haben.

Welche Karriereaussichten hat man als Prokurist?

Als Prokurist bekommt man definitiv die Möglichkeit, mehr Verantwortung innerhalb der Firma zu übernehmen und sich noch aktiver als vorher an der Gestaltung der firmeninternen Abläufe und der Außendarstellung zu beteiligen.

Wie diese Aufgaben im Einzelnen aussehen, hängt individuell von jedem einzelnen Unternehmen ab – Weiterbildungen oder zusätzliche Studienabschlüsse sind für einen Prokuristen aber immer von Vorteil.

Dennoch sollte man nicht vergessen, dass man als leitender Angestellter nicht mehr vom Betriebsrat vertreten wird und dass man sich gegen eine Kündigung nur noch eingeschränkt wehren kann – eben ein Plus an Verantwortung und an Risiko…

Bildquelle: © UBER IMAGES – Fotolia.com

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