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In Deutschland enden mehr als 30 Prozent aller Ehen vor dem Scheidungsrichter. Die betroffenen Ehepartner haben nicht nur mit gravierenden Veränderungen bezügliche ihrer Lebensumstände zu kämpfen. Häufig sehen sie sich auch noch mit immensen Scheidungskosten konfrontiert. Lesen Sie heute, wie Sie die Gebühren für einen Scheidungsprozess reduzieren und damit jede Menge Geld sparen können.

Übersicht

  • Scheidungskrieg vermeiden
  • Einvernehmliche Einigung in wichtigen Teilbereichen
  • Außergerichtliche Einigung über den Hausrat
  • Wichtige Hinweise zum Inhalt einer Scheidungsvereinbarung:
  • Scheidungsfolgevereinbarung
  • Kindesunterhalt kostengünstig regeln
  • Scheidung mit nur einem Anwalt
  • Verzicht auf Rechtsmittel

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Scheidungskrieg vermeiden

Mit einer Trennung sind immer Gefühle wie Verletzung, Frustration und Wut verbunden. Falls Sie eine kostengünstige Scheidung anstreben, sollten Sie alle negativen Empfindungen möglichst außen vor lassen und sich zu keinen unüberlegten Aktionen, wie Plündern des Kontos, Zerstören der Einrichtung oder Auswechseln des Wohnungsschlosses hinreißen lassen.

Auch wenn solch eine Handlung im ersten Moment eine möglicherweise eine gewisse emotionale Erleichterung verspricht, schadet sie im Endeffekt doch nur Ihrem Geldbeutel. Denn nach einem Rosenkrieg wird der geschädigte Ehepartner kaum noch bereit sein, im Sinne einer kostengünstigen Scheidung zu kooperieren. Schlimmstenfalls wird er jede noch so kleine Auseinandersetzung vor Gericht austragen wollen.

Sind beide Parteien jedoch bereit, fair miteinander zu verhandeln und so viel wie möglich, ohne Anwalt und Gericht untereinander zu klären, ist eine gute Basis für eine kostengünstige Scheidung geschaffen.

Einvernehmliche Einigung in wichtigen Teilbereichen

Teileinigungen tragen dazu bei, dass sich Anwalts- und Gerichtsgebühren deutlich reduzieren. Nur selten sind sich die Partner über grundsätzliche Ansprüche vollkommen uneinig. Meistens geht es eher darum, wie hoch der Anspruch konkret ist, beispielsweise ob der Unterhalt für das gemeinsame Kind 370 oder 420 Euro beträgt.

In solchen Fällen ist es sinnvoll, sich außergerichtlich über einen sogenannten Sockelbetrag zu einigen. Sowohl Anwalts- als auch Gerichtsgebühren werden dann nur unter Zugrundelegung des strittigen Restbetrages berechnet. Im genannten Beispiel ginge es also um lediglich 50 Euro monatlich. Voraussetzung für diese kostensparende Vorgehensweise ist allerdings, dass der Sockelbeitrag regelmäßig gezahlt wird. Ansonsten könnte die unterhaltsberechtigte Partei den vollen Betrag einklagen und die vermeintliche Ersparnis wäre zunichte.

Außergerichtliche Einigung über den Hausrat

Eine Vereinbarung über die Verteilung des gemeinsamen Hausrats können die Eheleute untereinander, ohne Anwalt, Gericht oder Notar treffen. Sofern sie die Vereinbarung schriftlich fixiert und unterschrieben haben, ist sie verbindlich.

Wichtige Hinweise zum Inhalt einer Scheidungsvereinbarung:

  • – Korrekte Schilderung des Sachverhalts.
  • – Explizite Festlegung, ob das Auto zum Hausrat gehört oder nicht.
  • – Vereinbarung eines Termins, bis wann die aufgeführten Dinge vom Ehegatten abzuholen sind.
  • – Passus über eventuell bestehende Ansprüche auf Ausgleichszahlungen.
  • – Die Vollständigkeitsklausel muss enthalten sein.
  • – Beide Parteien müssen eigenhändig unterschreiben.
  • – Die beiden Anwälte erhalten je eine Kopie der Vereinbarung.

Scheidungsfolgevereinbarung

Auch diese außergerichtliche Regelung ist bestens geeignet, die Scheidungskosten zu reduzieren. Wenn Sie sich über alle materiellen Angelegenheiten, wie beispielsweise, wer von den Partnern in der Immobilie wohnen bleiben darf oder wer den Hund übernimmt, in einer notariell beurkundeten Scheidungsvereinbarung fixieren, dann müssen Sie vor dem Scheidungsrichter nur noch die Scheidung selbst vollziehen und den Versorgungsausgleich durchführen lassen. Für alle notariell beurkundeten Angelegenheiten fallen weder Anwaltsgebühren noch Gerichtskosten an.

Das bedeutet allerdings keine Einigung um jeden Preis, eventuell unter Verzicht auf eigene Rechte. Nur wenn Sie und Ihr Partner alle Rechte kennen, können ernsthafte Verhandlungen stattfinden, die für beide Seiten erfolgreich sind. Es gibt hier nämlich, im Gegensatz zum Verfahren, keinen Richter, der Ihnen Entscheidungen abnimmt.

Tipp: Nutzen Sie das Trennungsjahr sinnvoll. Informieren Sie sich umfassend. Beziehen Sie Ihren Ehepartner mit ein und erarbeiten Sie Lösungen, mit denen Sie beide leben können.

Kindesunterhalt kostengünstig regeln

Es unklug, Kindesunterhalt per kostenpflichtigem Gerichtsbescheid oder Notarbeschluss titulieren zu lassen. Vollkommen kostenlos erledigt das nämlich das Jugendamt. Termine werden hier zumeist kurzfristig vergeben. Das Amt stellt auf Antrag eine sogenannte Jugendamtsurkunde über die Zahlung von Kindesunterhalt aus. Die Wertigkeit dieser Urkunde entspricht einem Gerichtsurteil. Mithilfe des Titels kann der Unterhaltsberechtigte bei Nichtzahlung sofort die Zwangsvollstreckung in die Wege leiten.

Scheidung mit nur einem Anwalt

Bei einer Scheidung herrscht nach deutscher Rechtssprechung grundsätzlich Anwaltszwang. Obwohl sich danach jede Partei durch einen Anwalt vertreten lassen muss, ist es unter Umständen möglich, nur einen Anwalt mit dem Scheidungsverfahren zu betrauen. Dessen Kosten können sich dann die Parteien teilen und somit die Gebühren für einen zweiten Anwalt sparen.

Es ist zwar so, dass kein Anwalt die gegnerische Partei vertreten darf, doch unter folgenden Umständen ist eine Scheidung mit nur einem Anwalt möglich: Anlässlich der Scheidung müssen alle Folgesachen, wie Güterrecht, Ehewohnung, Hausrat, Unterhalt für Kinder und Ehepartner und Umgangsrecht einvernehmlich geregelt sein.

Das bedeutet, dass der persönliche Anwalt lediglich außergerichtlich tätig wird, indem er berät und bei der Erstellung einvernehmlicher Regelungen mitwirkt. Im gerichtlichen Verfahren, bei dem es dann nur noch um den Versorgungsausgleich und um den Vollzug der Scheidung geht, genügt ein Anwalt, der beide Parteien vertritt. Der Grund besteht darin, dass das Scheidungsbegehren an sich, keine Prozesshandlung darstellt und daher die Vertretung durch zwei Anwälte von Gesetzes wegen nicht zwingend erforderlich ist.

Verzicht auf Rechtsmittel

Ein Rechtmittelverzicht nach einvernehmlicher Scheidung kann Voraussetzung für eine Gerichtskostenerstattung sein. Das Gericht gewährt den Parteien häufig die Möglichkeit, eine Entscheidung anzufechten. Wenn also beispielsweise einer der Geschiedenen mit dem Urteil nicht einverstanden ist, darf er innerhalb einer bestimmten Frist Widerspruch einlegen.

Dann wird der Scheidungsprozess vor einer höheren Instanz weitergeführt und es gibt ein neues Urteil. Sofern beide Parteien jedoch schon beim ersten Termin erklären, dass sie auf Rechtsmittel verzichten werden, sind sie sofort geschieden. Das Gericht hat demzufolge weniger Aufwand. Das reduziert die Gerichtskosten von 3 Gerichtsgebühren auf nur noch eine Gebühr.

Fazit

Eine einvernehmliche Scheidung, in der alle per Gesetz erlaubten Vorgänge außergerichtlich geklärt werden, kostet im Durchschnitt 30 bis 50 Prozent weniger als eine erbitterte Trennungsschlacht unter Einbeziehung aller zur Verfügung stehenden juristischen Möglichkeiten.

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