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Wer als behinderter Mensch Geld ansparen will, sieht sich oft mit gesetzlichen Hindernissen konfrontiert. Denn falls Eingliederungsleistungen bezogen werden, werden diese ab dem Überschreiten eines bestimmten Freibetrages dem Empfänger in Rechnung gestellt. Sparen lohnt sich also nicht. Dies soll sich nun ändern.

Behinderte sind auf staatliche Leistungen angewiesen

Bei der Bewältigung des Alltags sind behinderte Menschen oft auf besondere Einrichtungen angewiesen, die sehr kostspielig sein können. Vom Treppenlift bis hin zu behindertengerechten Umbauten am Auto verschlingen diese Sonderaufwendungen oft ein mittleres Vermögen. Ohne staatliche Hilfe könnten die Behinderten diese Ausgaben in der Regel nicht alleine tragen.

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Eingliederungshilfe soll Behinderte unterstützen

Deshalb gibt es die staatliche Eingliederungshilfe, die Behinderte bei solchen Anschaffungen finanziell unterstützt. Dabei richtet sich die Eingliederungshilfe als Teil des Fürsorgesystems vor allem an finanziell schlecht situierte Behinderte. Das Einkommen sowie das angesparte Vermögen werden bei der Berechnung der Eingliederungshilfe also berücksichtigt.

Eingliederungshilfe verhindert das Sparen

Die Kehrseite dieser Eingliederungshilfe ist deshalb, dass es sich für Behinderte kaum lohnt, Geld anzusparen. Denn sobald der Empfänger der Eingliederungshilfe mehr als 2.600 Euro auf dem Konto hat, wird der übersteigende Betrag voll auf die Eingliederungshilfe angerechnet. Darüber hinaus entstehen auch höhere steuerliche Belastungen, denn bei erwerbstätigen Behinderten kann nach Einkommens- beziehungsweise Lohnsteuer ein Sonderabzug von bis zu 40 Prozent vorgenommen werden. Behinderte werden durch solche Regelungen also aktiv am Sparen gehindert.

Schlechtere Integration von Behinderten auf dem Arbeitsmarkt

In der Praxis führt das dazu, dass viele Behinderte entweder gar nicht arbeiten oder nur Minijobs annehmen, obwohl sie trotz ihrer Behinderung eigentlich arbeitsfähig und vor allem arbeitswillig wären. Da es sich für die meisten Behinderten kaum lohnt, einer vollen Erwerbstätigkeit nachzugehen, hindert dies die Arbeitgeber auch daran, entsprechende Stellen zu schaffen und den Behinderten zur Verfügung zu stellen. Im Endeffekt führt diese Situation also trotz aller gegenteiligen politischen Absichtserklärungen dazu, dass die Integration von Behinderten auf dem Arbeitsmarkt und damit auch in der Gesellschaft verhindert wird.

Behinderung als Armutsfalle

Doch für die Behinderten stellt sich nicht nur das Problem, dass Luxusaufwendungen wie Urlaube oder teure private Anschaffungen für sie unerreichbar sind. Darüber hinaus wird es Ihnen durch diese Regelung auch erschwert, private Altersvorsorge zu betreiben. Im Gegensatz zu den nichtbehinderten Bürgern droht Behinderten damit spätestens im Alter die Armutsfalle.

Petition für ein Recht auf Sparen

Doch die Behinderten werden nun aktiv und setzen sich aktiv für eine Änderung dieser ungleichen Situation ein. Auf der Internetplattform Change.org wurde eine Petition ins Leben gerufen, die ein Recht auf Sparen für Behinderte fordert. Die Eingliederungshilfe soll dafür aus dem bisherigen Sozialleistungssystem ausgegliedert und zu einem modernen Recht auf Teilhabe für alle Behinderten umgestaltet werden.

Knapp 300.000 Unterschriften konnte die Petition damit schon sammeln und rangiert damit unter den deutschsprachigen Petitionen auf Change.org unter den Top 5. Erst vor Kurzem wurde die Petition darüber hinaus der Ministerin für Arbeit und Soziales, Andrea Nahles, überreicht. Ob und wann dieses Engagement zu einer Verbesserung der Situation führen wird, bleibt abzuwarten. Zumindest scheint nun aber Bewegung in die Sache zu kommen.

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