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Wer Hartz IV bezieht, ohne noch einer bezahlten, sozialversicherungspflichtigen Arbeit nachzugehen, bekommt immer seltener Weiterbildung angeboten. Das geht aus Zahlen der Bundesagentur für Arbeit hervor: In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der arbeitslosen Hartz IV-Bezieher in staatlichen Qualifizierungsmaßnahmen um 76.000 Personen auf aktuell nur knapp 150.000 Menschen gesunken.

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Weniger Qualifizierung – mehr Verwaltung

Diese Tendenz spiegelt sich auch in der Verwendung von Finanzmitteln wieder: Die Budgets der Jobcenter für berufliche Weiterbildung sind von 923 Millionen Euro im Jahre 2010 auf 681 Millionen Euro für 2015 gesunken. Grund dafür ist unter anderem, dass immer mehr Geld in Verwaltungskosten fließt.

Allein 2014 schichteten Jobcenter 522 Millionen Euro aus dem Etat für Arbeitsmarktpolitik in den Verwaltungsapparat um. Hintergrund dafür ist, dass die Bundesregierung kein zusätzliches Geld für die Jobcenter bereitstellt.

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Anfrage der Linken – weitere Zahlen

Diese Entwicklungen gehen aus der Antwort auf eine Anfrage der Linken an die Bundesregierung hervor. Sie ermöglicht den Blick auf weitere Fakten: Besuchten im April 2010 noch 22.900 Hartz IV-Empfänger eine staatliche finanzierte Weiterbildung, waren es im April 2012 lediglich 13.200 Hartz IV-Bezieher. Gab die Bundesagentur für Arbeit 2010 noch sechs Milliarden Euro für aktive Arbeitsmarktpolitik aus, waren es 2012 nur noch 3,8 Milliarden.

Arbeitsmarktforscher warnen vor dieser Entwicklung, zum Beispiel Gerhard Bosch, Direktor des Instituts für Arbeit und Qualifikation an der Universität Duisburg-Essen. Wer eine Weiterbildung mit anschließendem Berufsabschluss absolviere, besitze anschließend bessere Arbeitsmarktchancen, trage zur Behebung des Fachkräftemangels bei und erziele ein höheres Einkommen. Damit ist er dann auch ein guter Steuer- und Beitragszahler für die Sozialversicherungen.

Ein Argument der Arbeitsagentur lässt Bosch nicht gelten. Die Jobcenter sagen, dass sie eine komplette, teure Berufsausbildung den kurzen, preiswerten Bewerbertrainings vorziehen. Das sei richtig, sagt der Institutsdirektor, aber man müsse die eine Sache tun ohne die andere zu vernachlässigen.

Zahlen sinken – aber unterschiedlich

Die Analyse der Arbeitsmarktzahlen gibt Gerhard Bosch Recht: Zwar sanken die Arbeitslosenzahlen zwischen 2010 und 2013 – die der erwerbslosen Hartz IV-Empfänger aber deutlich langsamer. An diesen Trend knüpft der Bundesverband der Träger beruflicher Bildung (BBB) mit seiner Kritik an dieser Entwicklung an.

Er fordert, dass die Zahl der neuen Teilnehmer an beruflichen Weiterbildungsmaßnahmen sich deutlich erhöhen muss. Dabei hat der BBB vor allem die Empfänger sozialer Transferleistungen nach SGB II im Blick – also die Hartz IV-Bezieher Die Bundesagentur für Arbeit selbst ist es, die im März 2013 einräumt, es würden Fachleute in folgenden Bereichen gesucht: Mechatronik, Metall-, Maschinen- und Fahrzeugbau, Energie und Elektro sowie Verkauf und Gesundheit. Die Mittelkürzung für berufliche Qualifizierungsmaßnahmen steht im Widerspruch dazu.

Schwierige Biographie – Zeitarbeitsfirmen

Die Mittelstandsvereinigung der CDU schlug vor, Langzeitarbeitslosen – in der Regel Hartz IV-Empfänger – bei Zeitarbeitsfirmen Arbeit und Ausbildung zu geben. Diese Branche besitze Erfahrung im Umgang Menschen, die eine schwierige Biographie aufweisen.

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