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Geld verdienen ist nicht immer ein Zuckerschlecken, sondern entpuppt sich unter Umständen als wirklich hartes Brot.
Was aber ist, wenn man aus einem Grund nicht arbeiten gehen kann oder darf, sondern mit Hartz IV auskommen muss? Mit 399 € pro Monat sind große finanzielle Sprünge definitiv nicht drin – von potenziellen organisatorischen und psychologischen Folgen und Problemen einmal ganz abgesehen.

Wie verzwickt sich ein Leben mit Hartz IV darstellt, wird bereits bei einem ansonsten banal anmutenden Lebensbereich, dem Essen, deutlich: Plant man für Lebensmittel 40% des Monatssatzes ein, sind das lediglich 5,32 – und das auch nur dann, wenn man nicht noch mit anderweitigen Ausgaben rechnet.

Bei einer plötzlich kaputt gehenden Waschmaschine wird es folglich schon sehr knapp…

✅ In diesem Artikel werden alle Fragen zu Hartz 4 beantwortet

Übersicht:

  • Hartz IV – an welchem ungünstigen Ende beginnt das Sparen?
  • Der nach oben führende Weg der Lebensmittelpreise
  • Wie effektiv ist die Beratung?
  • Lohnt es sich, selbst aktiv zu werden? – Ein Küchenbeispiel

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Hartz IV – an welchem ungünstigen Ende beginnt das Sparen?

Eine Anfrage der arbeitsmarktpolitischen Sprecherin DER LINKEN, Sabine Zimmermann, an das Statistische Bundesamt (Destatis) ergab 2014, dass sich mehr als ein Drittel (34,6%) aller Arbeitslosen nicht einmal alle zwei Tage vollwertig ernähren konnten.
Insgesamt waren 1,07 Millionen Personen Betroffen – im Vergleich zu 2013 ein Zuwachs um 48.000 Menschen.

Aber auch in anderen Bereichen sieht die Finanzlage der Hartz IV-Empfänger alles andere als rosig aus:

  • 19,1% haben Probleme mit der Miets- oder den Vorsorgeleistungszahlung (2014 62.000 Menschen mehr als 2013, also insgesamt 590.000 Personen),
  • 18,4 % konnten ihre Wohnung nicht ausreichend heizen und
  • 30,9% fühlten sich „erheblichen materiellen Entbehrungen“ ausgesetzt (im europäischen Vergleich nur 26,2% aller Betroffenen).

Der unschönste Umstand an der ganzen Finanzplanung von Hartz IV ist aber unbestritten, dass das Geld sehr knapp kalkuliert ist – unerwartete Zahlungsanlässe haben also schwerwiegende Folgen.

Aus diesem Grund fordert Zimmermann eine Erhöhung auf 500 € pro Monat und einen leichteren Zugang zu Arbeitslosenversicherungsleistungen.

Doch die Mühlen der Politik mahlen bekanntlich nicht so schnell – im Gegensatz zu den Preiserhöhungen der Lebensmittelindustrie…

Der nach oben führende Weg der Lebensmittelpreise

Besondere Luxuslebensmittel sind in der Kalkulation für Hartz IV natürlich nicht enthalten – und die große Mehrheit der Empfänger fordert diese sicherlich nicht von sich aus ein.

Die Arbeitsagentur gibt zwar einige gut gemeinte Ratschläge für eine preisgünstige Ernährung heraus; allerdings sind diese auch nicht immer zweckdienlich. Denn nicht jeder kann oder will von heute auf morgen Vegetarier werden.

Ein weiterer Knackpunkt im Hinblick auf eine entsprechende Lebensweise: Nicht nur Süßigkeiten und Konsorten werden teurer – selbst die Preise für Lebensmittel der Grundversorgung schlagen immer tiefere Löcher in die Kasse. Innerhalb eines Jahres erhöhten sich die Preise für

  • Kartoffeln um 44,4%,
  • Butter um 30,8%,
  • Äpfel um 22,3% und die für
  • H-Milch um 18,2% .

Insofern überrascht es nicht, dass vor allem Familien mit Kindern immer mehr in die Bredouille geraten, da der Hartz IV-Satz für Kinder deutlich unter dem für Erwachsene liegt – gerade größere Kinder aber häufig bereits wie Erwachsene essen.

Wie effektiv ist die Beratung?

Vor einiger Zeit gab das Jobcenter Pinneberg eine Broschüre mit Tricks und Tipps zum Geldsparen bei Hartz IV heraus – Thema unter anderem: Eine günstige Ernährung.

Die Ratschläge dabei reichten von weniger bis gar kein Fleisch essen über das Trinken von Leitungswasser bis hin zum ein- oder zweimaligen Einkaufen pro Woche. Und das am besten, wenn man satt ist, weil man so weniger bauchgesteuert unterwegs ist.

An sich keine schlechten Tipps, die sicherlich nicht nur für Hartz IV-Empfänger, sondern auch für alle anderen preisbewusst Einkaufende und Kochende ihren Nutzen haben.

Doch wie so oft machte hierbei der Ton die Musik – und das Jobcenter nichts weiter als die Broschüre herauszugeben.

Doch was passiert eigentlich, wenn sich ein Hartz IV-Empfänger die allergrößte Mühe gibt, alle Tipps beherzigt und es trotzdem knapp wird?

Dann sollte er besser nicht die Arbeitsagentur um Rat fragen, denn diese fühlt sich in der Regel nicht für eine Einzelfallhilfe verantwortlich.
Besser ist es, Arbeitslosenzentren wie beispielsweise in Düsseldorf aufzusuchen, da sich diese auch mit individuellen Notlagen befassen und über Praxiserfahrungen im Umgang mit diesem Problem verfügen. Und ansonsten?

Lohnt es sich, selbst aktiv zu werden? – Ein Küchenbeispiel

Der erste Schritt zur Besserung ist eine gewisse Selbsthilfe. Natürlich nimmt diese einige Zeit und Arbeit in Anspruch – hat allerdings auch einen enormen Nutzen.

Was eine intensive Beschäftigung mit Hartz IV und Lebensmitteln auslösen kann, beweisen zwei findige Männer: Uwe Glinka und Kurt Meier, beide früher in höher qualifizierten Positionen tätig und inzwischen seit mehreren Jahren arbeitslos, hatten es satt, nur zu schimpfen – ohne, dass sich etwas an der Essenszwickmühle verändert.

Aus diesem Grund überlegten sie sich, wie ein Ernährungsplan aussehen müsste, der über einzelne Rezepte heraus reicht, bezahlbar ist und ein gesundes Kochen ermöglicht.

Dafür errechneten sie, dass man durchschnittlich knapp 4,40 € pro Tag für das Essen einplanen kann.

Ihr nächster Schritt war die Kochbuch-Recherche. Hierbei wurden sie vor allem in Nachkriegszeit-Kochbüchern verschiedener Landfrauenvereine fündig. Denn nach dem Zweiten Weltkrieg waren Essen und Geld ebenfalls knapp.

Darüber hinaus durfte auch eine umfangreiche Preisrecherche bei mehreren Discountern nicht fehlen.

Das Ergebnis war eine Broschüre mit vergleichsweise gesunden und abwechslungsreichen Gerichten, die sowohl bei Ernährungswissenschaftlern als auch einigen testlustigen Passanten und Probeessern gut ankam – leider waren weder die Verbraucherzentrale noch die Agentur für Arbeit an einer vertieften Zusammenarbeit mit den beiden interessiert.

Dennoch zeigt dieses Beispiel, dass man potentiell mit dem Lebensmittelgeld auskommen kann.

Es darf einem nur kein anderweitiges Finanzunglück in die Quere kommen. Dann hilft einem auch die beste Einkaufslistenplanung nichts…

Bildquelle: © slasnyi – Fotolia.com

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