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In der heutigen Zeit ist Arbeiten von zu Hause in zahlreichen Betrieben Verhandlungssache. Dies gilt jedoch nicht länger für die Niederlanden, die ab sofort ein gesetzliches Anrecht auf Heimarbeit haben. Einem solchen Gesetzentwurf stimmte das Parlament mit klarer Mehrheit zu. Hierzulande ist eine Regelung hingegen aktuell nicht denkbar, zumal Homeoffice noch immer nicht richtig angenommen wird.

Neues Gesetz weist Arbeitgeber die Beweispflicht zu

Wer in den Niederlanden berufstätig ist, kann seit Juli diesen Jahres seine Arbeit von daheim aus erledigen. Der von Christdemokraten und Grünen eingebrachte Gesetzentwurf fand im Parlament eine eindeutige Mehrheit. Das neue Gesetz sieht vor, dass Mitarbeiter ab zehn Beschäftigten, das Recht haben, vom Homeoffice aus ihrer Tätigkeit nachzugehen.

Eine Voraussetzung ist, dass im Zuge der Heimarbeit keine Sicherheitsrisiken entstehen. Ferner dürfen keine zwingenden betrieblichen Gründe dagegen sprechen, welche die Anwesenheit des Mitarbeiters am Unternehmensstandort erfordern. Musste der Arbeitnehmer bislang einen guten Grund haben, um innerhalb der eigenen vier Wände arbeiten zu können, so findet mit dem neuen Gesetz eine Umkehr der Beweislast statt. Demnach muss nunmehr der Arbeitgeber belegen und nachweisen, dass die Arbeit zwingend vom Büro erledigt werden muss.

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Mitspracherecht des Arbeitnehmers in puncto Arbeitszeit

In den Niederlanden angestellte Personen dürfen in Zukunft einmal pro Jahr beantragen, dass sie von daheim aus ihren geschäftlichen Aufgaben nachgehen möchten. Darüber hinaus dürfen sie von ihrem Arbeitgeber künftig nicht nur eine Verlängerung oder auch Kürzung ihrer Gesamtarbeitszeit verlangen, sondern auch einen späteren oder früheren Arbeitsbeginn.

So kann etwa beantragt werden, dass nicht mehr von 8.30 bis 12.30 Uhr, sondern von 10.30 bis 14.30 Uhr gearbeitet wird. Einzige Bedingung ist, dass der Angestellte bereits mindestens ein halbes Jahr im Unternehmen beschäftigt ist. Dem Arbeitgeber steht es zwar frei, den Antrag abzulehnen – allerdings nur bei Vorbringen guter Gründe und schriftlicher Stellungnahme.

Vetorecht des Arbeitgebers an strenge Bedingungen geknüpft

Wird ein Gesuch, das auf eine Änderung des Arbeitsbeginns oder die Dauer der Arbeitszeit zum Inhalt hat, vom Arbeitgeber abgeschmettert, so muss dieser schwerwiegende betriebliche Interessen hervorbringen. Denkbar sind etwa größere finanzielle Schäden oder erhebliche Sicherheitsrisiken.

Selbstverständlich werden Pilot, Fabrikarbeiter oder Krankenschwester nach wie vor kaum vom Sofa aus arbeiten können. Marketingbeauftragte oder Software-Entwickler können hingegen von dem neuen Gesetz profitieren. Auch wenn ein Meeting angesetzt ist, kann der Arbeitgeber jedoch auf Anwesenheit bestehen. Leichter als beim Thema Arbeitszeit ist es für den Arbeitgeber, der Heimarbeit insgesamt zu widersprechen.

In diesem Fall reicht eine Erklärung, weshalb der Heimjob seiner Ansicht nach mit den Interessen des Betriebes kollidiert. Allein die Aussage, dass Heimarbeit nicht üblich sei, genüge dabei nicht.

Homeoffice in den Niederlanden weit verbreitet

Das Thema Homeoffice ist in den Niederlanden keineswegs neu. So arbeiten im Nachbarland bereits heute etwa 30 Prozent der Arbeitnehmer von zuhause aus. Als Grund wird insbesondere die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie angebracht. In Deutschland sind solche Regelungen derzeit kaum denkbar.

Da es keinen gesetzlichen Anspruch auf Homeoffice gibt, müssen entsprechende Vereinbarungen im Arbeitsvertrag oder über die Betriebsvereinbarung geregelt werden. Demnach ist es nicht weiter verwunderlich, dass der Anteil der Angestellten im Homeoffice innerhalb unserer Grenzen gerade einmal 12 Prozent beträgt.

Deutsche befürworten Heimarbeit

Dabei würden die Deutschen zumindest hin und wieder gerne im Homeoffice arbeiten. Laut dem Statistischen Bundesamt würden 21 Prozent der Befragten am liebsten ganz daheim bleiben. 41 Prozent würden es begrüßen, zumindest an einem Tag in der Woche nicht ins Büro kommen zu müssen.

Die Meinung der deutschen Politik ist jedoch nicht durchgängig so rigide. Zuletzt setzte sich die Partei der Grünen dafür ein, nach niederländischem Vorbild zu verfahren und ebenfalls ein Recht auf Homeoffice gesetzlich zu verankern. Auch hierzulande setzt sich langsam aber spürbar die Ansicht durch, dass Heimarbeit vor dem Hintergrund des flexibleren europäischen Arbeitsmarktes auf lange Sicht unausweichlich ist.

Bildquelle: © hansenn – Fotolia.com

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