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Der Sozialexperte Bernd Raffelhüschen macht sich Sorgen um die Auswirkungen der demographischen Entwicklung auf die deutschen Sozialsysteme. Er plädiert dafür, dass alle Menschen, die im Alter oder wegen Krankheit und Behinderung Pflege benötigen, das erste Jahr der Pflege daheim oder in einer Einrichtung selbst bezahlen müssen. Dies würde die öffentlichen Kassen sehr gut entlasten. Ein Problem stellt für ihn außerdem die Veränderung der Lebensweisen vieler Menschen dar. Es gibt immer mehr Kinderlose und immer mehr Singles, die sich im Pflegefall nicht auf die Hilfe von Angehörigen verlassen können.

Die Alterspyramide und die Auswirkung auf die Gesellschaft

Die Zahl der Geburten in Deutschland geht zurück und im Gegenzug steigt die Anzahl der Senioren an. Grob geschätzt wird es in Zukunft zwei bis drei Mal so viele Menschen geben, die im Alter Pflege und Betreuung benötigen werden. Die Kosten für diese Betreuung belasten die deutschen Sozialsysteme enorm. Derzeit werden rein statistisch nur ca. 30 % der pflegebedürftigen Menschen in deutschen Heimen gepflegt und betreut. Die restlichen 70% werden daheim von Angehörigen, Freunden oder einem Pflegedienst versorgt.

Dies könnte sich in Zukunft radikal ändern. Denn mit verbesserter medizinischer Versorgung und steigendem Lebensalter steigt auch die Wahrscheinlichkeit Pflege zu benötigen oder beispielsweise an Altersdemenz zu erkranken. Insbesondere an Demenz erkrankte Personen brauchen im Pflegefall eine 24-Stunden Rundumbetreuung. Diese ist häufig von Angehörigen wegen des hohen Zeitaufwandes nicht dauerhaft zu leisten.

Angehörige sind häufig mit der Betreuung Demenzkranker überfordert und geraten rasch an ihre physischen und psychischen Grenzen. Es muss also eine neue Lösung für das Problem der Finanzierung von Pflegebedürftigkeit her.

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Eine Rückkehr zum alten System?

Experte Professor Raffelhüschen kritisiert die heutige Form der Pflegeversicherung in Deutschland. Seiner Meinung nach ist das augenblickliche System der Pflegeversicherung ein Modell, welches die Kassen zu sehr belastet und überdies große Lücken aufweist, weil nicht annähernd so viel in das System eingezahlt wird, wie in Zukunft für die Pflege von Senioren und Kranken benötigt wird.

Er hält das alte Konzept, selbst für die Pflege im Alter vorzusorgen für die dauerhaft bessere Lösung. Jedoch ist eine Rückkehr zu dem System, welches vor dem Jahr 1995 angewendet wurde so gut wie unmöglich. Denn wer mindestens 5 Jahre Beiträge in die Pflegeversicherung eingezahlt hat, hat einen Rechtsanspruch auf Leistungen erworben.

Selbst für die Pflege im Alter zahlen

Sozialexperte Professor Bernd Raffelhüschen ist der Ansicht, dass ca. 90 % der Deutschen in der Lage wären, im ersten Jahr genügend finanzielle Mittel aufzubringen, um Leistungen für die Pflegestufe 1 finanzieren zu können. Ein Problem entsteht jedoch immer dann, wenn es sich um eine Langzeitpflege handelt, die über mehrere Jahre geleistet werden muss. Wie zum Beispiel bei degenerativen Erkrankungen wie Rheuma oder MS.

Denn bei dauerhafter Pflege und immer höher werdendem Pflegebedarf geraten Normalbürger schnell an ihre finanziellen Grenzen.Beträge von 5000 bis 7000 Euro für eine Pflege in einer Einrichtung sind keine Seltenheit und diese Summen kann kaum jemand selbst finanzieren. Die deutsche Regierung wird sich in Zukunft Gedanken über ein verändertes Finanzierungsmodell bei der deutschen Pflegeversicherung machen müssen, um das System überhaupt aufrecht erhalten zu können.

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