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Im Berufsleben stehende Menschen mit Behinderung verdienen im Durchschnitt ein Drittel weniger als nicht behinderte Arbeitnehmer. Nicht, weil sie weniger arbeiten, sondern weil Menschen mit Handicap häufig einer Tätigkeit nachgehen, die eine geringere Qualifikation erfordert. Warum Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Schwerbehinderung, trotz qualifizierter Arbeit häufig arm bleiben, möchten wir im folgenden Beitrag erklären.

Übersicht:

  • Recht behinderter Menschen auf Teilhabe am Erwerbsleben
  • Art und Grad der Behinderung beeinflusst Nettoeinkommen
  • Niedrige Freibeträge bei Gehalt und Vermögen
  • Gehalt
  • Einkommen
  • Vermögen
  • Beschäftigte in Werkstätten für Behinderte

Recht behinderter Menschen auf Teilhabe am Erwerbsleben

Menschen mit körperlichem oder geistigem Handicap haben es vergleichsweise schwer, einen geeigneten Arbeitsplatz zu finden. Sie haben allerdings das Recht, von zuständigen Stellen, wie Arbeitsamt oder ansässigen Rehabilitationsstellen Unterstützung einzufordern, wie etwa:

  • Hilfen zur Erlangung oder zum Erhalt eines Arbeitsplatzes
  • Unterstützende Leistungen an den potenziellen Arbeitgeber
  • berufsvorbereitende Maßnahmen
  • berufliche Weiterbildung
  • spezielle Gründungszuschüsse

Bei der Vergabe der Leistungen berücksichtigen die zuständigen Leistungsträger die bisherige Tätigkeit, persönliche Neigungen, die aktuelle Leistungsfähigkeit sowie die Arbeitsmarktsituation.

Art und Grad der Behinderung beeinflusst Nettoeinkommen

Hat die behinderte Person einen adäquaten Arbeitsplatz gefunden, gilt das Antidiskriminierungsgesetz. Das bedeutet, sie muss bei vergleichbarer Leistung den gleichen Lohn bekommen, wie nicht behinderte Kollegen, die die gleiche Arbeit ausführen.

Allerdings müssen alle schwerbehinderten Menschen, die bei der Bewältigung ihres Alltags auf fremde Hilfe angewiesen sind, einen beachtlichen Teil ihres Gehalts ohne Umwege ans Sozialamt abführen. Der Grund: Die Kostenübernahme von Hilfen zur Körperpflege, Alltagsbegleitung oder im Haushalt fällt unter die Sozialhilfe.

Die Höhe dieser Kosten, die der Staat übernimmt, sind einkommensabhängig. Das bedeutet: Behinderte Menschen, die viel verdienen und auf regelmäßige Hilfen angewiesen sind, müssen entsprechend hohe Zahlungen ans Sozialamt leisten.

Niedrige Freibeträge bei Gehalt, Einkommen und Vermögen

Gehalt

Aktuell gelten für Alleinstehende circa 800 Euro zuzüglich einer angemessenen Wohnungsmiete (im Durchschnitt 400 Euro) als sogenannte Schonbeträge. Von jedem versteuerten Euro, der oberhalb dieser Grenze liegt, fordert das Sozialamt, sofern eine Schwerstbehinderung vorliegt, 40 Prozent. Bei einem fiktiven Nettogehalt von 2.00000 Euro wären das pro Monat 320,00 Euro.

Einkommen

Zum Einkommen zählen neben dem Lohn oder Gehalt aus einer Erwerbstätigkeit auch Renteneinkommen, Mieteinnahmen sowie Kapitaleinkünfte. Diesem Einkommen stellt der Gesetzgeber die oben genannte Einkommensgrenze gegenüber und errechnet mithilfe einer komplizierten Formel das auf die Sozialhilfe anzurechnende Einkommen. Alles, was über diesem Rechenbetrag liegt, fließt ebenfalls ans Sozialamt.

Vermögen

Bezüglich Vermögen gilt aktuell ein Freibetrag 2.600,00. Auf Hilfe angewiesene Schwerstbehinderte müssen jeden Euro, der darüber liegt, für ihre Pflege ausgeben.

Beschäftigte in Werkstätten für Behinderte

Behinderte Menschen, die Lohnzahlungen aufgrund einer Beschäftigung in einer Behindertenwerkstatt erhalten, werden ebenso einer Einkommensprüfung und den möglicherweise damit verbundenen Zahlungen ans Sozialamt unterzogen. Bei dieser Personengruppe bleibt allerdings das Arbeitsförderungsgeld unberücksichtigt.

Bildquelle: © Gina Sanders – Fotolia.com

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