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In den Medien ist immer wieder die Rede davon, dass mehr und mehr Menschen in Deutschland unter der Armutsgrenze leben. Aber was ist die Armutsgrenze überhaupt? Ist die Armutsgrenze in Deutschland anders als in anderen Ländern? Wie berechnet man sie und wie weit sind Ihre eigenen finanziellen Verhältnisse davon entfernt?

✅ In diesem Artikel werden alle Fragen zu Hartz 4 beantwortet

Überblick:

  • Definition
  • Absolute Armut
  • Relative Armut
  • Berechnung der Armut
  • Medianeinkommen
  • Äquivalenzeinkommen
  • Armut in Deutschland
  • Entwicklung der Armut in Deutschland
  • Reichtumsgrenze

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Definition

Armut scheint ein Begriff zu sein, der sich von selbst erklärt. Man stellt sich dabei verhärmte Leute in fadenscheiniger Kleidung vor, die keine Arbeit haben oder sich mit Gelegenheitsjobs durchbringen. In der Forschung ist es nicht ganz so einfach eine Definition zu finden. Dort gibt es zunächst einmal den Unterschied zwischen absoluter und relativer Armut.

Absolute Armut

Neben dem Begriff Armut wird häufig der Ausdruck „Existenzminimum“ verwendet. Absolute Armut bezeichnet man als den Zustand, in dem man nicht mehr die Mittel hat, selbst für all die Dinge aufzukommen, die man für das Leben braucht. Aber auch diese Definition lässt sich verfeinern. Was braucht man fürs Leben?

Ist Überleben schon Leben oder gehört zum Beispiel die Möglichkeit zur freien Entfaltung der eigenen Persönlichkeit mit dazu? Absolute Armut ist immer nur in einem bestimmten kulturellen Zusammenhang absolut und wird von vielen Faktoren beeinflusst. Armut ist auch meist mit den eigenen Moralvorstellungen verknüpft. Ein Verbrecher, der hinter Gittern sitzt, wird von den meisten Personen nicht zu den Armen gerechnet. Ebenso wenig jemand, der in den Tag hineinlebt und sich durch das Leben schnorrt.

Relative Armut

Das Kapital ist in den meisten Ländern nach dem Pareto-Prinzip verteilt: Etwa 20 % der Bevölkerung verfügen über 80 % der finanziellen Mittel. Im Vergleich zu den „oberen Zehntausend“ ist ein Durchschnittsverdiener arm, selbst wenn er sich selbst versorgen oder sogar einen bescheidenen Luxus leisten kann.

Wenn man von relativer Armut spricht, spielen aber auch die Lebenshaltungskosten an einem bestimmten Ort eine Rolle. In einer Großstadt mit hohen Mietkosten liegt die Armutsgrenze höher als auf dem Land.

Berechnung der Armut

In Ländern wie den USA oder der Schweiz gibt es absolute Werte für die Armut. Auch die Weltbank hat einen festen Wert für die globale Armutsgrenze (1 Dollar pro Tag). In der EU dagegen wird die Armut als relativer Wert ermittelt. Wenn insgesamt mehr Einkommen zur Verfügung steht, dann wird auch die Armutsgrenze angehoben.

Das Existenzminimum in Deutschland wirkt sich auf verschiedenste Sozialleistungen aus. Es bestimmt, wie viel Geld jemand bekommt, der als bedürftig eingestuft wird. Für die Berechnung werden einige ganz konkrete Kosten herangezogen, die ein Erwachsener im Laufe eines Jahres zu bewältigen hat. Ein wichtiger Posten sind die Mietkosten und die Wohnnebenkosten für Heizung und Strom.

Für die EU-Statistik verwendet man das mittlere Einkommen der Bevölkerung, den so genannten Median. Wer weniger als 70 % davon zur Verfügung hat, gilt als armutsgefährdet, ab 40 % gilt man als arm. Die WHO dagegen definiert 50 % als Armutsgrenze.

In Deutschland lag die Armutsgrenze im Jahr 2012 bei 980 Euro im Monat, das Existenzminimum dagegen bei 374 Euro plus Miete.

Medianeinkommen

Im Unterschied zum Durchschnittseinkommen ist das Medianeinkommen ein realer Wert. Ein Beispiel: In einer Familie verdient der Vater 3.000 Euro im Monat, die Mutter 1.000 Euro, der erwachsene Sohn 400 Euro und die zwei kleineren Geschwister, die noch zur Schule gehen, jeweils 50 Euro. Das Durchschnittseinkommen ist damit 4.500 Euro geteilt durch 5, also 500 Euro.

Für das Medianeinkommen muss man noch nicht einmal rechnen. Man teilt die Einkommen einfach in zwei Hälften. Der mittlere Betrag (in diesem Fall die 400 Euro des erwachsenen Sohnes) sind das Medianeinkommen. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Vater 3.000 oder 10.000 Euro verdient. Diese Art der Berechnung macht bei großen Gruppen deshalb Sinn, weil sie die unverhältnismäßig hohen Einkommen schwächer berücksichtigt. Dennoch gibt es Kritik an dieser Art der Berechnung.

Äquivalenzeinkommen

Wer in einer Familie oder einer anderen Bedarfsgemeinschaft lebt, kann Einspareffekte bei Miete, Nebenkosten und so weiter nutzen. Im Vergleich zu einer alleinlebenden Person ist er also grundsätzlich besser gestellt.

Deshalb nutzt das Statistische Bundesamt das Äquivalenzeinkommen, um ein besseres Bild von der Einkommenssituation zu bekommen. Ein Erwachsener wird dabei mit dem Wert 1 gewichtet, weitere Erwachsene im Haushalt mit 0,5 und Kinder unter 14 mit 0,3. Im obigen Beispiel würde das also einen Wert für das Familieneinkommen von 3.733 Euro ergeben.

Armut in Deutschland

Je nach Berechnung leben um die 16 Prozent der deutschen Bevölkerung an der Grenze zur Armut. Offiziell muss hierzulande niemand Armut leiden, da durch verschiedene soziale Sicherungsmaßnamen das Existenzminimum gedeckt wird. Allerdings kommt es ganz darauf an, wie man Armut definiert.

Darüber hinaus gibt es immer wieder Menschen, die unabsichtlich oder aus eigenem Verschulden durch die Maschen des sozialen Netzes fallen. Bei Rentnern kann falscher Stolz oder die Unkenntnis der Leistungen dazu führen, Alleinerziehenden fehlt es oftmals an Möglichkeiten Beruf und Familie optimal in Einklang zu verbinden. Eine weitere gefährdete Gruppe sind Kinder, die unter den bestehenden prekären Familienverhältnissen zu leiden haben.

Entwicklung der Armut in Deutschland

Die Armutsgrenze wurde in den vergangenen Jahren kontinuierlich angehoben. Im gleichen Zeitraum stieg auch die Zahl der Personen, die mit ihrem Einkommen diese Grenze unterschritten. Das bedeutet nicht, dass Deutschland immer ärmer wird (sonst würde die Armutsgrenze sinken), sondern, dass sich die Unterschiede bei den Einkommen verstärken. Es gibt mehr Arme aber auch mehr Wohlhabende.

Reichtumsgrenze

Als Gegenstück zur Armutsgrenze gibt es auch die Reichtumsgrenze, die aber steuerlich und sozial eine viel geringere Rolle spielt als die Armutsgrenze. Im Jahr 2012 galt als reich, wer mindestens 2.898 Euro monatliches Einkommen zur Verfügung hatte.

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