News am

Renommierte Wirtschaftswissenschaftler haben sich geirrt: Die flächendeckende Einführung des Mindestlohns von 8,50 Euro zu Beginn des Jahres hat sich unter dem Strich nicht negativ auf den Arbeitsmarkt ausgewirkt. Nachbesserungsbedarf gibt es trotzdem noch, wie eine aktuelle Zwischenbilanz vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Uni Duisburg-Essen und des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung belegt.

Übersicht:

  • Zwischenbilanz sieht Nachbesserungsbedarf
  • Anzahl sozialversicherungspflichtiger Jobs gestiegen
  • Rückgang bei geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen
  • Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) zieht positive Bilanz

Möchten Sie von Zuhause aus Geld verdienen?

Zwischenbilanz sieht Nachbesserungsbedarf

Dr. Claudia Weinkopf (IAQ) und Dr. Thorsten Schulten (WSI) zeichnen für die aktuelle Analyse der Arbeitsmarktsituation verantwortlich, die sich insbesondere mit den Auswirkungen des seit Beginn des Jahres geltenden Mindestlohns befassen sollte. Die Ergebnisse dürften die Skeptiker überrascht haben, die zunächst von Jobverlusten in einer Größenordnung von 1,5 Millionen Arbeitsplätzen ausgegangen waren.

Wie die beiden Wissenschaftler betonten, würden Unternehmen sich durchaus mit den höheren Lohnkosten arrangieren, wenn diese für die Mitbewerber ebenfalls gelten. Nachbesserungsbedarf gäbe es allerdings bei der Durchsetzung respektive Durchsetzbarkeit sowie der Kontrolle.

Anzahl sozialversicherungspflichtiger Jobs gestiegen

Entgegen aller Befürchtungen konnte die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs seit Jahresbeginn zulegen, wie die Auswertung von Schulten und Weinkopf, die auch in der Mindestlohnkommission der deutschen Bundesregierung engagiert ist, belegt. Dass der Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisse vor allem in den typischen Niedriglohnbereichen zu verzeichnen ist, dürfte die einstigen Skeptiker besonders in Erstaunen versetzen.

So wird beispielsweise explizit die Gastronomie angeführt, die am stärksten von der Einführung des Mindestlohns betroffen ist. Aber auch die Jobs in anderen Branchen, vor allem im Dienstleistungssektor und im Handel, konnten wider Erwarten von der neuen Regelung profitieren.

Rückgang bei geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen

Diese Ergebnisse legen im Zusammenspiel mit der Entwicklung bei den sogenannten Minijobs nahe, dass eine ganze Reihe dieser geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse in sozialversicherungspflichte Jobs übergegangen ist: Die Anzahl der Minijobs hat seit Ende 2014 um rund 206.000 abgenommen. Allein für das erste Quartal des Jahres meldete die Minijob-Zentrale einen Rückgang um 190.000 Jobs.

Auch hier sind die wichtigsten Branchen die Gastronomie, der Handel und die Dienstleistungen. Aus der Tatsache, dass allein in diesen Bereichen rund 170.000 neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse geschaffen wurden, lässt sich dieser Zusammenhang herstellen. Es wurden zur Auswertung jeweils die Zahlen von April 2014 und April 2015 herangezogen.

Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) zieht positive Bilanz

Laut Stefan Körzell, Mitglied des Vorstandes des DGB, profitieren rund 3,6 Millionen Beschäftigte in Deutschland von der Einführung des Mindestlohns. Die Vergütung im Niedriglohnsektor sei demnach um rund 9,3 Prozent gestiegen, hier sei insbesondere die ostdeutsche Nahrungsmittelindustrie betroffen. Rund 60.000 Arbeitnehmer werden bis zum Jahresende aus dem Kreis der Hartz-IV-Aufstocker ausscheiden können.

Bildquelle: © jd-photodesign – Fotolia.com

3 Bewertungen
5.00 / 55 3