Behinderung am

Der sogenannte „zweite Arbeitsmarkt“ bietet Menschen mit Behinderung durch staatliche Förderung die Möglichkeit, in besonderen Einrichtungen einer für sie passenden Erwerbstätigkeit nachzugehen.

In Behindertenwerkstätten können die Beschäftigten optimal gefördert und ausgebildet werden. Doch wie genau funktioniert eine Behindertenwerkstatt, wie sieht eine solche Ausbildung aus und wie werden die Beschäftigten betreut? Mehr zu der Organisation, der Wirtschaftlichkeit und den Zielen einer Behindertenwerkstatt erfahren Sie hier.

Übersicht:

  • Was sind die Aufgaben und Ziele einer Behindertenwerkstatt?
  • Wie funktioniert eine Behindertenwerkstatt?
  • Wer kann in einer Behindertenwerkstatt arbeiten?
  • Wie bekommt man eine Stelle in einer Behindertenwerkstatt?
  • Welche Ausbildungsmöglichkeiten gibt es?
  • Bekommen die Beschäftigten einen Lohn?
  • Wie ist die Betreuung in einer Behindertenwerkstatt geregelt?
  • Wie kann ich eine geeignete Behindertenwerkstatt finden?

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Was sind die Aufgaben und Ziele einer Behindertenwerkstatt?

Eine Behindertenwerkstatt, nach dem SGB IX seit 2001 offiziell als „Werkstatt für behinderte Menschen“ zu bezeichnen, hat eine ganz bestimmte Funktion.

Eine solche Werkstatt für behinderte Menschen, kurz WfbM, muss ihren Beschäftigten nach § 136 SGB IX eine angemessene berufliche Bildung anbieten. Ziel ist es dabei, die Leistungs- oder Erwerbsfähigkeit der Menschen zu erhalten, zu entwickeln, zu erhöhen oder wiederzugewinnen.

Gleichzeitig soll auch auf die Persönlichkeitsentwicklung geachtet werden. Durch die Maßnahmen soll am Ende für geeignete Personen ein Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt, sprich eine berufliche Integration ermöglicht werden.

Wie funktioniert eine Behindertenwerkstatt?

Obwohl eine Werkstatt für behinderte Menschen in erster Linie der Leistungs- und Persönlichkeitsförderung der Beschäftigten dient, wird sie auch nach wirtschaftlichen Grundsätzen geführt.

Durch Arbeitsergebnisse für gewerbliche und private Kunden soll Umsatz generiert werden. Auftragsarbeiten, Eigenproduktionen und Dienstleistungen zeigen sich hier als die am besten geeignetsten Standbeine für solche Werkstätten.

Ob Auftragsarbeiten in den Bereichen Verpackung und Versand, Eigenproduktionen von Holzspielzeug, Textilien und Gartenmöbeln oder Dienstleistungen bei EDV, Recycling und Wäscherei – die Möglichkeiten für ökonomisch sinnvolle und effiziente Arbeit sind vielfältig.

Wer kann in einer Behindertenwerkstatt arbeiten?

Die Zielgruppe für Menschen, die in einer Werkstatt für behinderte Menschen beschäftigt werden können, ist gesetzlich eingegrenzt.

Übernommen werden Menschen, die aufgrund ihrer körperlichen, geistigen oder psychischen Beeinträchtigung oder Besonderheit nicht, noch nicht oder noch nicht wieder auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt erwerbstätig werden können.

Sie haben ein Recht auf einen Werkstattplatz in ihrer Umgebung. Sie werden sozialrechtlich als „Rehabilitanden“ bezeichnet. Heute werden deutschlandweit knapp 300.000 solche Rehabilitanden in Behindertenwerkstätten beschäftigt.

Wie bekommt man eine Stelle in einer Behindertenwerkstatt?

Das Vergabeverfahren für Plätze in einer Werkstatt für behinderte Menschen ist gesetzlich geregelt. Insofern alle Kriterien erfüllt sind, muss die Werkstatt in ihrem Einzugsgebiet alle betroffenen Menschen aufnehmen.

Bei dem Eingangsverfahren kann sich der Bewerber zunächst ein Bild von der Werkstatt machen. Auf der anderen Seite ist es für die Einrichtung möglich zu prüfen, ob der Bewerber zu der Werkstatt passt und in welchem Bereich seine Fähigkeiten am besten eingesetzt werden könnten.

Daraufhin wird ein Eingliederungsplan erstellt, in dem die Kompetenzen des Bewerbers aufgenommen und Ziele für seinen Förder- und Bildungsprozess formuliert werden. Dies kann 4 – 12 Wochen dauern.

Welche Ausbildungsmöglichkeiten gibt es?

Die Ausbildung in einer Werkstatt für behinderte Menschen wird als Berufsbildungsbereich (BBB) definiert. Dieser teilt sich in einen Grundkurs und einen Aufbaukurs auf, die jeweils 12 Monate dauern.

Nach Absolvieren des Grundkurses wird vom Fachausschuss ein Bericht erstellt, in dem erklärt wird, ob der Teilnehmer weiter gefördert werden kann und der Aufbaukurs im zweiten Jahr bewilligt wird.

In den beiden Anfangskursen werden verschiedene Fertigkeiten vermittelt und der Schwierigkeitsgrad im Laufe der Zeit erhöht. Dabei wird auch eine Förderung von lebenspraktischen Fähigkeiten angeboten, wie beispielsweise sozialer Normen und Werte oder der Körperpflege.

Nach dem zweijährigen Betriebsbildungsbereich hat der Teilnehmer die Möglichkeit, in den Arbeitsbereich (AB) der Werkstatt zu wechseln.

Diese Beschäftigung ist unbefristet und richtet sich nach den individuellen Leistungen und Fähigkeiten des Beschäftigten. Auch werden Betriebspraktika und Beschäftigungen in externen Betrieben vermittelt, um eine Eingliederung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, sofern der Rehabilitand geeignet ist, zu ermöglichen.

Bekommen die Beschäftigten einen Lohn?

Als Beschäftigter in einer Werkstatt für behinderte Menschen erhält man einen Lohn. Dieser setzt sich zusammen aus einem Arbeitsförderungsgeld, das von dem Reha-Träger gezahlt wird, einem Grundbetrag, der von der Bundesagentur für Arbeit getragen wird und einem individuellen Steigerungsbetrag.

Dieser richtet sich nach der individuellen Leistung des Beschäftigten und bezieht auch weitere Aspekte wie das Konzept der Werkstatt, die Komplexität des Arbeitsplatzes und das Lebensalter und Sozialverhalten des Beschäftigten mit ein.

In dem sich so ergebenden Arbeitsentgelt sind ebenfalls Arbeitnehmerunfall-, Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung sowie Mahlzeiten enthalten.

Wie ist die Betreuung in einer Behindertenwerkstatt geregelt?

Die Betreuung der Beschäftigten einer Werkstatt für behinderte Menschen erfolgt durch Fachkräfte und Pflegepersonal. Die Rehabilitanden sind in Arbeitsgruppen gegliedert, wobei auf 12 Arbeitende mindestens eine Fachkraft gerechnet wird.

Diese Fachkraft, auch als „Gruppenleiter“ bezeichnet, kommt idealer Weise aus dem handwerklichen Bereich und hat eine sonderpädagogische Zusatzausbildung genossen. Sie ist für die Entwicklung der Beschäftigten sowie der Arbeit zuständig.

Dazu kommen soziale Dienste, die begleitend tätig sind. Sie bestehen in der Regel aus Sozialpädagogen oder Sozialarbeitern, die helfen, die Förderung der Rehabilitanden und entsprechende Maßnahmen zu konkretisieren.

Zusätzlich kann das Personal durch Zivildienstleistende beziehungsweise Absolventen eines freiwilligen sozialen Jahres aufgestockt werden. Die Einrichtungen sind deutschlandweit in der gemeinnützigen Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen organisiert.

Wie kann ich eine geeignete Behindertenwerkstatt finden?

Bundesweit gibt es rund 700 anerkannte Werkstätten für behinderte Menschen, die knapp 300.000 Stellen für geeignete Bewerber anbieten. Sie liegen weit verstreut und haben ein großes Einzugsgebiet.

Finden kann man diese im Internet, wo sie auf entsprechenden Seiten gelistet und mit eingehenden Informationen versehen sind.

Bildquelle: © Olesia Bilkei – Fotolia.com

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