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Auf der Suche nach einem passenden Ausbildungsberuf? Heimarbeit.de unterstützt Sie mit umfassenden Informationen zu unterschiedlichen Berufen – inklusive Ausbildung, Studium und beruflichen Perspektiven. In diesem Artikel können Sie alles Wichtige zum Ausbildungsberuf Werkstoffprüfer nachlesen.

Übersicht

  • Berufsprofil Werkstoffprüfer
  • Der Alltag: Aufgaben nach Fachbereich
  • Typische Arbeitgeber: Wer beschäftigt ihn?
  • Wie sehen die Arbeitsbedingungen aus?
  • Ausbildung zum Werkstoffprüfer
  • Ausbildungsinhalte nach Fachrichtung
  • formale Voraussetzungen & persönliche Eignung
  • das Gehalt in der Ausbildung
  • Gehalt für Werkstoffprüfer
  • Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt
  • Perspektiven mit Weiterbildungen & Studium verbessern

Berufsprofil Werkstoffprüfer

Damit Produktionsabläufe in Industriebetrieben nicht gestört werden, nehmen Werkstoffprüfer ihre Arbeit auf und kontrollieren die Werkstoffe und Werkstücke auf ihre Eigenschaften. Der Ausbildungsberuf und damit auch das Tätigkeitsfeld sind in verschiedene Fachbereiche unterteilt. Grundsätzlich arbeitet der Werkstoffprüfer jedoch auf dem Gebiet der Werkstofftechnik und Werkstoffprüfung und ist damit Teil der Qualitätssicherung in Industriebetrieben.

Der Alltag: Aufgaben nach Fachbereich

Damit der Fertigungsprozess reibungslos ablaufen kann, prüfen Werkstoffprüfer die Eigenschaften von Werkstoffen, auf eventuelle Schäden, nehmen Proben und führen Messungen durch. Die Ergebnisse müssen sie genau auswerten und dokumentieren, um mögliche Abweichungen und Fehler zu erkennen. Dadurch gelingt mitunter nicht nur die Qualitätssicherung der aktuellen Fertigungsprozesse, sondern auch die Entwicklung neuer Werkstoffe oder Verwendungszwecke.

Das sind einige Aufgaben des Werkstoffprüfers im Einzelnen nach Schwerpunkt:

1. Kunststofftechnik

  • Untersuchung und Prüfung von Halbzeugen oder Teilen aus Kunststoff (Zusammensetzung, Struktur, Eigenschaften)
  • Vorbereitung von Werkstoffproben
  • Bestimmung von mechanischen Eigenschaften und Kennwerten von Kunststoffen
  • Ergebnisbewertung und -dokumentation
  • Fehlerbeurteilung und Fehlerursachen analysieren
  • Proben verwalten

2. Systemtechnik

  • Auswahl der Prüftechniken nach Prüfproblem
  • Planung der Prüfaufträge inklusive Prüfnormen, Regelwerke und Prüfpläne
  • Vorbereitung und Durchführung der Prüfungen
  • Untersuchung von Prüfteilen und Werkstoffen mit verschiedenen Techniken
  • Erfassung und Auswertung der Prüfergebnisse
  • Fehlerbeurteilung, Fehleranalyse,
  • Nachbehandlung der Bauteile

3. Wärmebehandlungstechnik

  • Vorbereitung und Durchführung von Wärmebehandlungsverfahren wie z.B. Anlassen, Härten oder Glühen
  • Messung und Prüfung der Werkstoffeigenschaften vor und nach der Wärmebehandlungsverfahren
  • Funkenprobe der Werkstoffe durchführen
  • Bedienung und Überwachung der technischen Anlagen und Einrichtungen
  • Ergebnisdokumentation und Ergebnisauswertung

4. Metalltechnik

  • physikalisch-technische Untersuchung der Werkstoffe und Bauelemente auf Eigenschaften, Zusammensetzung und Fehler
  • Vorbereitung von Proben, Probengewinnung
  • Überprüfung von Einrichtungen, Mess- und Hilfsmitteln
  • Bestimmung der physikalischen Kennwerte von metallischen Werkstoffen
  • Fehleranalyse und Ursachenermittlung, Nachbehandlung

Typische Arbeitgeber: Wer beschäftigt ihn?

Für gewöhnlich arbeiten Werkstoffprüfer in Betrieben der Metall- oder Elektroindustrie wie z.B. Gießereien oder Maschinenbauunternehmen. Beschäftigung finden sie außerdem in den Bereichen Werkzeugbau, Automatisierungstechnik, Stahl- und Leichtmetallbau sowie die Herstellung von elektrischen Anlagen und Bauteilen. Weitere Arbeitgeber sind Betriebe des Fahrzeugbaus, des Luft- und Raumfahrtbaus, Forschungseinrichtungen für Natur-, Ingenieur- oder Agrarwissenschaften oder die öffentliche Verwaltung (Prüfamt).

Wie sehen die Arbeitsbedingungen aus?

Die Arbeitsbedingungen von Werkstoffprüfern sind sehr abwechslungsreich – nicht nur mit Blick auf die Fachrichtungen. So arbeiten sie abwechselnd in Laboren, in Werkhallen, im Stehen oder Sitzen, unter Maschinenlärm oder in Spezialkleidung zum Schutz vor chemikalischen Lösungen oder Röntgenstrahlen.

Die Messergebnisse werden an Computern dokumentiert und ausgewertet. Man arbeitet als Werkstoffprüfer mit den Händen, verschiedenen Geräten, muss Anlagen bedienen und kontrollieren können. Rauch, Schmutz oder Lärm darf dabei nicht stören. Einen typischen Schreibtischjob werden Sie als Werkstoffprüfer definitiv nicht ausführen.

Ausbildung zum Werkstoffprüfer

Der Beruf des Werkstoffprüfers kann in vier verschiedenen Fachrichtungen gelernt werden. Zu dieser Neuordnung kam es in 2013, als der Ausbildungsberuf des Werkstoffprüfers modernisiert wurde.

Die Berufsausbildung ist – unabhängig von der Fachrichtung – im dualen System auf 3,5 Jahre ausgelegt. In der Berufsschule sowie im Ausbildungsbetrieb werden gemeinsame Fähigkeiten vermittelt für alle Fachrichtung sowie spezielle Tätigkeiten je nach Schwerpunkt.

Sowohl die Zwischen- als auch die Abschlussprüfung erfolgt vor der zuständigen Stelle der Industrie- und Handelskammer. Beide Prüfungsteile müssen mindestens mit der Note „ausreichend“ bewertet werden, um die Ausbildung erfolgreich abzuschließen.

Ausbildungsinhalte nach Fachrichtung

Grundsätzlich erfolgt die Wissensvermittlung sowohl in der Berufsschule als auch im Ausbildungsbetrieb. Dabei werden in den ersten beiden Jahren die Grundlagen geschaffen, welche später vertieft werden können. Hinzu kommen die Spezialthemen je nach Fachrichtung.

Gemeinsame Inhalte der Ausbildung zum Werkstoffprüfer:

  • Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten von Werkstoffen
  • Verarbeitungs- und Veredelungsverfahren für metallische und nicht metallische Werkstoffe und Anwendungsmöglichkeiten
  • Grundlagen der Prüfverfahren
  • Planung und Vorbereitung von Prüfaufträgen
  • Auswahl und Überprüfung von Prüfmitteln
  • Einrichtung von Prüfarbeitsplätzen
  • Durchführung von Prüfungen
  • Bewertung der Ergebnisse
  • Dokumentation der Verfahren, Messwerte und Ergebnisse
  • Berufsbildung, Arbeits- und Tarifrecht
  • Aufbau und Organisation des Betriebes
  • Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz
  • Umweltschutz
  • Handhabung von Arbeits- und Gefahrenstoffen
  • Betriebliche und technische Kommunikation
  • Qualitätsmanagement
  • Bearbeitung von Werkstücken
  • Wartung und Pflege von Werkzeugen, Geräten und Einrichtungen

Je nach Fachrichtung kommen folgende Inhalte hinzu:

1. Kunststofftechnik

  • Einordnen von Aufbau und Struktur von Kunststoffen
  • Beurteilung der Eigenschaften von Kunststoffen
  • Unterscheidung und Anwendung von Verarbeitungsverfahren
  • Ermittelung der mechanisch-technologischen Eigenschaften
  • Ermittelung thermischer, physikalisch-chemischer und morphologischer Eigenschaften
  • Anwendung zerstörungsfreier Werkstoffprüfverfahren
  • Analysieren von Fehlerursachen

2. Systemtechnik

  • Unterscheidung von Beanspruchungen und Fehlerarten in technischen Systemen
  • Vorbereitung von Prüfeinsätzen und Prüfarbeitsplätzen in technischen Systemen
  • Durchführung von Prüfverfahren und -prozessen im Einsatzgebiet
  • Umsetzung von Anforderungen des Qualitätsmanagements
  • Analyse von Prüfergebnissen
  • Durchführung von Maßnahmen nach der Prüfung
  • Dokumentation des technischen Systemzustands
  • Analyse der Fehlerursachen

3. Wärmebehandlungstechnik

  • Beurteilung von Änderungen der Werkstoffeigenschaften
  • Planung und Festlegung von betrieblichen Arbeits- und Prüfabläufe
  • Auswahl der Wärmebehandlungsverfahren
  • Vorbereitung und Bedienung von Wärmebehandlungsanlagen
  • Nachbehandlung und Freigabe der wärmebehandelten Teile
  • Prüfung und Bestimmung von Werkstoffeigenschaften
  • Anwendung zerstörungsfreier Werkstoffprüfverfahren
  • Analyse von Fehlerursachen

4. Metalltechnik

  • Änderung und Beurteilung von Werkstoffeigenschaften
  • Ermittelung mechanisch-technologischer Werkstoffeigenschaften
  • Durchführung metallografischer Untersuchungen
  • Anwendung zerstörungsfreier Werkstoffprüfverfahren
  • Ermittelung sonstiger Werkstoff- und Produkteigenschaften
  • Analyse von Fehlerursachen.

Formale Voraussetzungen & persönliche Eignung

Bewerber für eine Ausbildung zum Werkstoffprüfer müssen formal keine Voraussetzungen erfüllen. Allerdings sollten sie gewisse Fähigkeiten, Vorkenntnisse oder Interessen mitbringen. Denn die Ausbildungsbetriebe achten bei der Bewerberauswahl auf bestimmte Punkte. Die letzten Einstellungen von Ausbildungsanfängern zeigen, dass zumindest ein mittlerer Bildungsabschluss, wenn nicht sogar Hochschulreife für die Bewerbung von Vorteil wäre.

Mit einem guten Hauptschulabschluss und entsprechenden Vorkenntnissen kann man aber auch einige Betriebe überzeugen. Wer in der Schulzeit in den Fächern Werken, Technik, Informatik, Mathematik, Chemie und Physik gut aufgepasst hat und gute Noten bzw. Vorkenntnisse mitbringt, hat ebenfalls gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz bzw. eine erfolgreiche Berufsausübung. Die MINT-Fächer sind ebenso wichtig wie gute Kenntnisse in Deutsch und Englisch.

Bei der Berufsauswahl sollte man sich grundsätzlich gewiss sein, dass der Werkstoffprüfer vorrangig organisatorisch, prüfend, praktisch, theoretischen und abstrakt tätig ist. Wer für derlei Tätigkeiten Interesse zeigt, fühlt sich im Beruf des Werkstoffprüfers sicherlich wohl.

Weitere hilfreiche Fähigkeiten / Eigenschaften:

  • Beobachtungsfähigkeit / Detailgenauigkeit
  • Merkfähigkeit
  • Finger- und Handgeschick
  • Handwerkliches Geschick
  • Technisches Verständnis
  • Das Gehalt in der Ausbildung

Im Gegensatz zum Student kann man sich als Auszubildender bereits über ein erstes Gehalt freuen. Das Ausbildungsgehalt ist dem reduzierten Aufgaben-, Fähigkeiten- und Verantwortungsbereich angepasst, also deutlich geringer als bei ausgelernten Werkstoffprüfern.

Als Orientierung dienen folgende Angaben für Ausbildungsvergütungen nach Tarifvertrag. Zu beachten ist, dass nicht jeder Betrieb Tarifverträge mit Auszubildenden abschließt, die Gehälter also in der Praxis variieren können. Auch der Standort, die Betriebsgröße und andere Faktoren können bei der Höhe des Ausbildungsgehalts für Werkstoffprüfer eine Rolle spielen.

  • 860 bis 950 Euro im 1. Jahr
  • 910 bis 1.000 Euro im 2. Jahr
  • 970 bis 1.090 Euro im 3. Jahr
  • 1.000 bis 1.150 Euro im 4. Jahr

Nach diesen Angaben mit Stand zum Oktober 2015 vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales verdienen Werkstoffprüfer in der Ausbildung nicht wenig. Dennoch: Wenn das Ausbildungsgehalt für die Miete und Lebenshaltungskosten nicht ausreicht, weil man beispielsweise bereits von Zuhause ausgezogen ist oder von den Eltern keine finanzielle Unterstützung erhält, kann man ein sogenanntes Ausbildungs-Bafög beantragen.

Gehalt für Werkstoffprüfer

Nach der Ausbildung kann man sich dann endlich über sein erstes richtiges Gehalt als Werkstoffprüfer freuen. Auch hier spielen die bereits genannten Faktoren wie Betriebsgröße und Betriebsstandort eine wichtige Rolle bei der Gehaltshöhe, aber auch wie gut man die Ausbildung abgeschlossen hat.

Das Einstiegsgehalt für Werkstoffprüfer liegt zwischen 1.800 und 2.500 Euro brutto pro Monat. Mit der Betriebszugehörigkeit und der Arbeitserfahrung steigt das Gehalt dann später auf bis zu 4.200 Euro. Gehälter für Werkstoffprüfer können aber auch darüber liegen.

Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt

Die Beschäftigungsmöglichkeiten für Werkstoffprüfer sind ebenso vielseitig wie die Optionen für Weiterbildungen oder ein Studium. Doch nicht erst mit umfassenden Zusatzqualifikationen sind Werkstoffprüfer auf dem Arbeitsmarkt begehrt. In der aktuellen Arbeitsmarktsituation haben bereits viele Auszubildende sehr gute Chancen, nach dem Abschluss übernommen zu werden.

Für die Fertigungsprozesse in unterschiedlichsten Industriebereichen sind Werkstoffprüfer unentbehrlich. Sie überwachen nicht nur die Abläufe, sie stellen auch sicher, dass die Produktgüte gleichbleibend ist. Und das ist sicherlich auch mit Hinblick auf die internationale Konkurrenz für deutsche Unternehmen der Industrie sehr wichtig. Gute ausgebildete Fachkräfte sind ohnehin stark gefragt, auch um die künftigen Personallücken infolge des demographischen Wandels zu füllen.

Perspektiven mit Weiterbildungen & Studium verbessern

Fachkräfte sind nach wie vor wichtig für den deutschen Arbeitsmarkt – insbesondere im Bereich der Industrie. Unternehmen des Maschinenbaus, des Fahrzeugbaus oder Stahlbaus wollen national und international konkurrenzfähig sein, hohe Produktqualität abliefern, diese halten und mitunter Fertigungsprozesse nachhaltig verbessern.

Sie setzen daher voll und ganz auf gut ausgebildete Fachkräfte, die gerne schon nach der Ausbildung im Betrieb übernommen und gefördert werden. Die Möglichkeiten für Fort- und Weiterbildungen sowie im Bereich eines Hochschulstudiums sind für Werkstoffprüfer durchaus attraktiv. Gängige Weiterbildungen sind beispielsweise der Techniker und der Industriemeister.

In diesem Zusammenhang locken auch attraktive Gehälter für Techniker der Werkstofftechnik oder Physiktechnik sowie für Industriemeister, die sich auch theoretisch selbstständig machen könnten.

Zusätzliche Vielfalt in die fachliche Kompetenz bringt ein Hochschulstudium – selbstverständlich in den klassischen MINT-Fächern wie Physikingenieurwesen, angewandte Naturwissenschaften oder im Bereich Materialwissenschaften oder Kunststofftechnik sowie Werkstoffwissenschaften.

Wer ein Hochschulstudium als Werkstoffprüfer beginnen möchte, sollte verschiedene Dinge beachten:

  • ein Grundstudium dauert in der Regel drei Jahre
  • für den Masterabschluss benötigt man weitere zwei Jahre
  • ein Studium kostet Geld, eventuell muss ein Studienkredit aufgenommen werden
  • ein Teilzeit- oder Fernstudium muss im individuellen Fall geklärt werden (Hochschulen haben hier unterschiedliche Regelungen)
  • mit Bachelor- und Masterabschluss steigen die Gehälter
  • wer kein Abitur hat, kann unter Umständen dennoch an die Hochschule – mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung, Berufserfahrung und Zusatzqualifikationen
  • man sollte sich aber überlegen, ob man nach den ersten Jahren Berufserfahrung wieder die Schulbank drücken möchte

Bildquelle: © auremar – Fotolia.com

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