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Erst kürzlich veröffentlichte die „Huffington Post“ einen ziemlich interessanten Artikel von Dan Mechtel, einem Rechtsanwalt aus Berlin. In dem Beitrag berichtet Mechtel über seine tägliche Arbeit als Rechtsanwalt, die er nun schon seit mehr als 15 Jahren ausübt.

Zu ihm kommen immer wieder Bezieher von Hartz IV, die sich in ihrer Verzweiflung nicht mehr mehr zu helfen wissen. Sie berichten ihm dann darüber, wie das Jobcenter sie in sinnfreie Arbeitsmaßnahmen zu stecken versucht, wie sie durch die Mitarbeiter der Jobcenter durch zahllose Sanktionen schikaniert wurden oder wie sie den Weg zur Sozialhilfe gefunden haben…

Unfassbare Schicksalsgeschichten

Dan Mechtel beschreibt in seinem Beitrag teilweise unglaubliche Geschichten der Betroffenen. So erinnere er sich an den Fall einer Millionärin, die ihr gesamtes Vermögen komplett verlor:

Die Betroffene war mit einem erfolgreichen Unternehmer verheiratet. Auch sie selbst war beruflich aktiv und arbeitete beim Finanzamt. Doch als die Ehe der Beiden zerbrach, überschlugen sich die Ereignisse. Sie erfuhr davon, dass ihr Mann ein uneheliches Kind hatte. Das Paar ließ sich scheiden.

Danach legte die Frau zwei Millionen Euro für ihre Kinder innerhalb einer Lebensversicherung an. Doch die Kinder verstießen ihre Mutter. Sie begann mit dem Trinken, verlor ihre Arbeit und wurde sogar von einem Gerichtsvollzieher aus ihrer Wohnung geworfen, weil sie nicht in der Lage war, eine Steuerschuld in Höhe von 100.000 Euro zu begleichen.

Innerhalb kürzester Zeit wurde die Frau aus einer Ehe in Reichtum und Wohlstand auf die Straße katapultiert: Sie zog in einen Wald in der Nähe Berlins – um sich zu Waschen ging sie regelmäßig zum See. Und mit ein paar Pfandflaschen verdiente sie sich etwas Geld dazu. Schließlich beschloss sie zum Jobcenter zu gehen, um dort Hilfe zu beantragen. Doch die Mitarbeiter glaubten ihr nicht und wiesen sie eiskalt ab…

Niemand wollte ihr glauben

Wie es schien, hatte man der Frau das Hartz IV verwehrt, weil sie nicht beweisen konnte, dass sie ihr gesamtes Vermögen verloren hatte. Doch wie hätte sie ihre Armut auch beweisen sollen? Das Jobcenter unterstellte ihr, das Geld vor den Behörden verstecken zu wollen.

Dan Mechtel kämpfte fünf Jahre lang als Rechtsanwalt an der Seite der Frau – doch leider ohne Erfolg. Heute sagt er, dass es ein Wunder sei, dass die Frau in dieser Zeit überhaupt überleben konnte. Immerhin beziehe sie mittlerweile eine Rente und könne dadurch ein halbwegs normales Leben führen.

Die Frau musste Unvorstellbares durchmachen – und das mitten in einem Staat, den man als rechtlich hochentwickelt bezeichnen möchte. Die traurige Wahrheit ist, dass Hunderttausende von Menschen ähnlich Schlimmes durchmachen müssen.

Etwa die Hälfte aller Hartz-IV-Bescheide sind fehlerhaft. Unzählige Betroffene werden von den Jobcenter und ihren Mitarbeitern schikaniert, die wiederum auf hohen Druck der Führungsetagen agieren. Mit Hochdruck wird versucht, die offizielle Zahl der Arbeitslosen künstlich gering zu halten. Doch leider verhelfen die Maßnahmen zu keiner spürbaren Besserung, sondern bereiten den Betroffenen immer mehr Probleme…

Beitragsbildquelle: © Gina Sanders – Fotolia.com

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