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Was wäre ein Strandurlaub ohne einen Strandkorb? Und womit kann man stilechter einkaufen gehen als mit einem dekorativen, handgeflochtenen Weidenkorb?

Für all diese Gegenstände, aber auch die Sitz- und Rückenflächen von Stühlen, für Blumentopf-Verkleidungen, Sichtschutzelemente oder Skulpturen aus Weiden, Rattan und vielen weiteren Naturmaterialien ist der Flechtwerkgestalter der optimale Ansprechpartner.

Obwohl man es vielleicht nicht so vermutet – schließlich kennt jeder jemanden, der einen geflochtenen Weidenkorb sein Eigen nennt – gehören Flechtwerkgestalter nicht in die Gruppe der weit verbreiteten Handwerker, sondern zu einem zahlenmäßig recht begrenzten Personenkreis.

Das bedeutet jedoch nicht, dass ihre Arbeiten nicht gefragt ist.

Im Gegenteil, eine hohe Qualität und ein sowohl hoher dekorativer wie praktischer Mehrwert machen die Produkte von Flechtwerkgestaltern zu beliebten Alltagsgegenständen mit großer Nachfrage.

Ein guter Grund, diesen recht seltenen Beruf etwas genauer unter die Lupe zu nehmen…

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Übersicht:

  • Welche Aufgaben hat ein Flechtwerkgestalter?
  • So wird man Flechtwerkgestalter
  • Voraussetzungen
  • Ausbildung
  • Studium
  • Gehalt
  • Perspektiven

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Welche Aufgaben hat ein Flechtwerkgestalter?

Flechtwerkgestalter stellen Flechtwerk-Produkte auf speziellen Kundenwunsch her oder fertigen kleine Serien für die Präsentation und den Verkauf auf Ausstellungen, Messen und Kunsthandwerkermärkten an.

Dazu gehört im ersten Schritt die Planung und Anfertigung von Skizzen mit Hilfe von der klassischen Kombination Stift und Papier oder unter Einsatz von speziellen EDV- Und CAD-Programmen.

Anschließend geht es um die Materialbestellung beziehungsweise die Herstellung des gewünschten Materials – und danach entstehen schließlich die gewünschten Produkte. Von besonderer Wichtigkeit sind hierbei der Einsatz verschiedener Flechttechniken sowie das Wetterfest-Mache durch eine Beize, Imprägnierung oder Lackierung.

Sobald die Produktanfertigung abgeschlossen ist, lagert der Korbflechter seine Waren in einem Lager ein und kümmert sich um ihre weitergehende Präsentation in seinem Geschäft oder auf einer Messe.

Aufgrund ihres Tätigkeitsprofils trifft man Flechtwerkgestalter vor allem in Korb(-möbel-)flechtereien und Reparaturwerkstätten an. Weitere Arbeitsstellen finden sie jedoch auch in den Werkstätten von Justizvollzugsanstalten oder in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen.

So wird man Flechtwerkgestalter

Voraussetzungen

Vor der Ausbildung steht natürlich der Erhalt eines Ausbildungsplatzes.

Die meisten Korb(-möbel-)flechtereien stellen bevorzugt sehr gute Hauptschüler- oder Realschüler ein – und legen dabei Wert auf gute Noten in Mathematik, Werken / Technik und Kunst.

Darüber hinaus sollten potenzielle Auszubildende typische Handwerker-Skills wie:

  • eine gute Beobachtungsgabe,
  • Sorgfalt und Fingerspitzengefühl,
  • Spaß am Zeichnen und Gestalten und
  • Sinn für Ästhetik

mitbringen.

Ausbildung

Die Lehrzeit eines Flechtwerkgestalter-Auszubildenden beträgt drei Jahre und verteilt sich auf Zeiten im Betrieb und in der Berufsschule.

Erwähnenswert dabei ist, dass die Auszubildenden aller Bundesländer (mit Ausnahme des Saarlands, Bremens und Hamburgs) in länderübergreifenden Fachklassen in der Staatlichen Berufsschule in Lichtenfels (Bayern) unterrichtet werden.

Der Stundenplan umfasst zwar auch klassische Berufsschulfächer wie Deutsch, Wirtschafts- und Sozialkunde, ist allerdings vor allem auf praktische Belange ausgelegt.

So zählen:

  • verschiedene Flechttechniken,
  • technisches Zeichnen, Gestaltung, Modellbau,
  • EDV- und CAD-Programme und die
  • Grundlagen der Holz- und Metallverarbeitung

zu den wichtigsten Themen.

Ergänzt wird das Programm durch Exkursionen, Messebesuche und die eigenständige Teilnahme von Auszubildenden an Messen und Ausstellungen.

Am Ende der Ausbildung steht eine Abschlussprüfung, in der der Auszubildende nicht nur in einem schriftlichen Teil seine fachtheoretischen Kenntnisse unter Beweis stellt, sondern auch ein Werkstück komplett selbstständig plant und anfertigt und in einem Fachgespräch punktet.

Besonders interessant für alle frischgebackenen Gesellen dürfte zudem der Umstand sein, dass man seit 2004 kein Meister mehr sein muss, um ein eigenes Geschäft eröffnen und führen zu dürfen.

Wer jedoch erst Berufserfahrungen sammeln möchte, kann dies tun, Fortbildungen belegen seinen
Meister machen oder zusätzlich studieren.

Studium

Es gibt kein direktes Studium, das inhaltlich mit der Ausbildung zum Flechtwerkgestalter vergleichbar ist.

Nichtsdestotrotz gibt es einige Studiengänge, die in fachliche Nähe zu ihr kommen – und in denen man von einer Ausbildung zum Flechtwerkgestalter profitiert. Zu nennen sind hier vor allem die Richtungen Design und Ingenieur für Holztechnik.

Gehalt

In der Ausbildungszeit beträgt das durchschnittliche Brutto-Monatsgehalt eines Flechtwerkgestalters:

  • 320 bis 560 € im ersten,
  • 400 bis 630 € im zweiten und
  • 465 bis 745 € im dritten Lehrjahr.

Sieht nach nicht besonders viel aus – ist es auch nicht. Allerdings kann er nach bestandener Gesellenprüfung bereits mit gut 1.000 € brutto pro Monat rechnen und sich im Laufe der Zeit auf

bis zu 1.600 € monatlich in einem traditionellen und bis auf 1.400 € monatlich in der industriellen
Fertigung hoch arbeiten.

Noch mehr verdient man selbstverständlich als:

  • Meister (2.000 bis 2.500 €),
  • Industriemeister Fachrichtung Holz (ab 2.200 €),
  • Technischer Fachwirt (2.000 bis 4.200 €),
  • als Fach- und Betriebswirt (2.000 bis 4.900 €) oder
  • als Ingenieur für Holztechnik (2.200 bis 4.400 €) .

Lange Rede, kurzer Sinn: Je qualifizierter man ist, desto höher ist der Jackpot…

Perspektiven

Der Beruf des Flechtwerkgestalter entpuppt sich unter Umständen als Anlass für hart verdientes Brot, zuweilen aber auch als echter Türöffner.

Das gilt vor allem dann, wenn man im Anschluss an die Lehrzeit seinen Meister macht. Zwar kann man auch ohne ihn ein eigenes Geschäft eröffnen, aber er bietet neben mehr Geld noch zwei weitere große Vorteile:

Nach bestandener Meisterprüfung darf man auch ohne vorher absolviertes (Fach-) Abitur studieren und man erwirbt zusätzliches betriebswirtschaftliches Know-How.

Aber auch andere fachliche und betriebswirtschaftliche Weiterbildungen (beispielsweise in den Bereichen Qualitätsprüfung, – technik und -sicherung oder zum Technischen Fachwirt) sorgen dafür, dass man sein eigenes Profil schärft und für weitere Arbeitgeber interessant wird.

Insgesamt ein seltener Beruf mit Potenzial – es kommt nur darauf an, ob man am Ball bleibt.

Bildquelle: © joserpizarro – Fotolia.com

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