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Die Arbeit als Gerichtsvollzieher hört sich für viele im ersten Moment nicht nach einem Traumberuf an. Doch auf den zweiten Blick kann man sehen, dass Gerichtsvollzieher einen höchst anspruchs- und verantwortungsvollen Beruf haben.

Doch was genau sind die Aufgaben eines Gerichtsvollziehers und wie wird man zum einen? Diese und weitere Fragen wollen wir hier beantworten.

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Überblick 

  • Welche Aufgaben übernimmt ein Gerichtsvollzieher?
  • Wie sieht der Alltag eines Gerichtsvollziehers aus?
  • Wie sieht die Ausbildung zum Gerichtsvollzieher aus?
  • Inhalte der Ausbildung
  • Dauer der Ausbildung
  • Zugangsvoraussetzungen
  • Wie hoch ist der Verdienst als Gerichtsvollzieher?

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Welche Aufgaben übernimmt ein Gerichtsvollzieher?

Zugegeben, hört man das Wort Gerichtsvollzieher, denkt man eher an unangenehme Situationen, schwierige Schicksale und harte Fälle. Schließlich geht es bei der Arbeit als Gerichtsvollzieher in erster Linie darum, Schulden einzutreiben und Forderungen durchzusetzen. Nicht immer ein einfaches Unterfangen.

Doch wer sich für den Job als Gerichtsvollzieher entscheidet, den erwarten herausfordernde, anspruchsvolle und spannende Tätigkeiten, die sich zwischen der Unbeugsamkeit des Gesetzes und menschlichen Einzelschicksalen abspielen.

Aber was macht ein Gerichtsvollzieher nun genau? Kurz gesagt: Gerichtsvollzieher setzen Urteile und Beschlüsse des Gerichts durch. Sie stellen Pfändungs- und Vollstreckungsbescheide zu und nehmen Pfändungen und Versteigerungen von beweglichen Sachen vor, um Gläubigern zum Ausgleich ihrer mittels eines richterlichen Beschlusses erklärten Forderungen zu verhelfen.

Die Aufgaben eines Gerichtsvollziehers können im Einzelnen so aussehen:

  • Informationen über die Vermögensverhältnisse von Schuldnern einholen, ggf. auch von dritter Seite wie Rentenversicherungsträgern
  • Pfändungs- und Überweisungsbeschlüsse zur Pfändung von Arbeitslohn, Forderungen und Rechten, Wechselproteste, Willenserklärungen sowie sonstige Schriftstücke und Entscheidungen zustellen
  • Pfändungsgegenstände taxieren
  • bewegliche Sachen wegen Geldforderungen pfänden und versteigern oder zur Erwirkung der Herausgabe wegnehmen
  • Forderungen durch vorläufiges Zahlungsverbot vorpfänden
  • Grundstücke, Wohnungen, Geschäftsräume und Schiffe aufgrund eines Räumungsurteils oder nach Zwangsversteigerung räumen
  • Kindeswegnahmen durchführen
  • Widerstand des Schuldners gegen die Vornahme einer von ihm zu duldenden Handlung beseitigen
  • ggf. mit Schuldnern und Gläubigern über Schuldentilgung mittels Ratenzahlung verhandeln
  • den Schuldnern beratende Hilfestellung leisten
  • Schuldner zur Erwirkung, Duldung oder Unterlassung von Handlungen, zur Erzwingung der Ableistung der eidesstattlichen Versicherung (Vermögensoffenbarung) oder zum Zwecke des persönlichen Sicherheitsarrestes verhaften
  • Zeugen, die trotz Ladung nicht erschienen sind, zwangsweise vorführen lassen
  • Erbanteile und GmbH-Anteile versteigern
  • Leistungsangebote beurkunden
  • durchgeführte Maßnahmen und deren Abrechnung schriftlich dokumentieren
  • je nach Bundesland einen eigenen Geschäftsbetrieb mit Büro und Sprechzeiten führen, je nach Bedarf Gerichtsvollzieherhelfer/innen einstellen

Wie sieht der Alltag eines Gerichtsvollziehers aus?

Zum Berufsalltag eines Gerichtsvollziehers gehört oft der Außendienst, bei dem Schuldner vor Ort aufgesucht werden. Ein Schuldner ist eine Person, die einer anderen – dem Gläubiger – eine Leistung schuldig ist. Ein Beispiel wären nicht bezahlte Rechnungen.

Wenn per Gerichtsurteil beschlossen wurde, dass der Gläubiger Anspruch auf seine Forderung hat, der Schuldner dieser aber nicht nachkommt, kommt der Gerichtsvollzieher ins Spiel. Er treibt als staatliches Vollstreckungsorgan auf Antrag des Gläubigers dessen Forderung im Wege der Zwangsvollstreckung ein.

Wie sieht die Ausbildung zum Gerichtsvollzieher aus?

Gerichtsvollzieher ist eine landesrechtlich geregelte berufliche Weiterbildung im mittleren Justizdienst.

Die Weiterbildung besteht aus theoretischem Unterricht in Lehrgängen und einer praktischen Einweisung.

Inhalte der Ausbildung

Die Inhalte der Ausbildung lassen sich wie folgt untergliedern:

In den Justizausbildungsstätten

  • Vollstreckungs-, Zustellungs- und Kostenrecht, Insolvenzordnung, Gerichtsvollziehergeschäftsanweisung sowie -ordnung
  • Grundzüge des bürgerlichen Rechts, des Handels- und Gesellschaftsrechts, des Wechsel- und Scheckrechts, der Zivilprozessordnung, der Gerichtsverfassung, des öffentlichen Rechts, des Straf- und Prozessrechts
  • Überblick über das Steuer-, Abgaben- und Arbeitsrecht
  • Büroorganisation, Kommunikation und Konfliktbewältigung

Bei einem Gerichtsvollzieher

  • Aufgaben des Gerichtsvollzieherdienstes
  • Geschäftsbücher führen
  • Niederschriften, Urkunden und Mitteilungen an die Parteien formulieren
  • Kostenrechnungen erstellen
  • Außentermine wahrnehmen

Dauer der Ausbildung

In der Regel dauert die Weiterbildung zum Gerichtsvollzieher 1,5 bis 2 Jahre. Die Weiterbildung kann bei entsprechender Vorbildung verkürzt werden. Beispielsweise können die angehenden Gerichtsvollzieher vom Einführungslehrgang freigestellt werden oder ihn verkürzen.

Sollte die Abschlussprüfung nicht bestanden worden sein, so kann die Weiterbildung in der Regel auch verlängert werden.

Zugangsvoraussetzungen

Für diese Weiterbildung sind die Voraussetzungen je nach Bundesland unterschiedlich. Meist werden eine bestandene Laufbahnprüfung des mittleren Dienstes in der Justizverwaltung und Berufserfahrung vorausgesetzt.

Neben einer meist mehrjährigen Berufstätigkeit wird in manchen Bundesländern auch die Fachoberschulreife gefordert. Die Eignung kann gegebenenfalls auch in einem meist sechsmonatigen Lehrgang nachgewiesen werden, der vor Beginn des Vorbereitungsdienstes stattfindet.

Grundsätzlich ist also eine berufliche Vorbildung notwendig, doch Gerichtsvollzieheranwärter sollten auch weitere Ausbildungsvoraussetzungen mitbringen. 

Berufliche Vorbildung

Für die Zulassung zur Weiterbildungsprüfung werden in der Regel vorausgesetzt:

  • die Laufbahnprüfung für den mittleren Justizdienst und
  • eine mehrjährige Berufserfahrung im Justizdienst.

Je nach Bundesland kann es Abweichungen geben.

Unter Umständen können zum Vorbereitungsdienst auch andere Beamte des mittleren nichttechnischen Dienstes zugelassen werden oder Bewerber, die beispielsweise die Justizfachangestelltenprüfung erfolgreich absolviert haben.

Weitere Ausbildungsvoraussetzungen

Grundvoraussetzungen für die Einstellung in den Vorbereitungsdienst (beamtenrechtliche Voraussetzungen):

  • deutsche Staatsangehörigkeit gemäß Art. 116 Grundgesetz (GG) oder die Staatsangehörigkeit eines anderen Mitgliedstaates der Europäischen Union
  • Gewähr für das Eintreten für die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes
  • Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Ämter, das heißt geordnete wirtschaftliche Verhältnisse, guter Leumund, nicht entmündigt und nicht vorbestraft
  • Eignung für die Laufbahn (aufgrund der charakterlichen, geistigen und körperlichen Anlagen), die gegebenenfalls durch unterschiedliche Auswahlverfahren festgestellt wird. Eine ärztliche Einstellungsuntersuchung ist erforderlich.

Darüber hinaus können die Bundesländer Höchstaltersgrenzen festlegen.

Wie hoch ist der Verdienst als Gerichtsvollzieher?

Das Einkommen von Beamten wird durch das Bundesbesoldungsgesetz bzw. Landesbesoldungsgesetze geregelt. Die Grundgehaltssätze bestimmen sich nach der jeweiligen Besoldungsgruppe des Eingangsamtes bzw. des verliehenen Amtes und werden gegebenenfalls durch den Familienzuschlag, Zulagen, Vergütungen und die Auslandsbesoldung ergänzt.

Die Grundgehaltssätze der Bundesländer orientieren sich zwar am Bundesbesoldungsgesetz (Bundesbesoldungsordnung), können jedoch davon abweichen.

Zur Orientierung sollen diese beiden Gehaltstufen dienen:

Bruttogrundgehaltssätze (monatlich):

  •     Besoldungsgruppe A 8, Stufe 3: € 2.599
  •     Besoldungsgruppe A 8, Stufe 8: € 3.098

Beamten im mittleren Dienst wird als Eingangsamt die Besoldungsgruppe A 6 oder A 7 zugewiesen. Ihnen können Ämter bis zur Besoldungsgruppe A 9 verliehen werden.

Bildquelle: © bluedesign – Fotolia.com

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