So fühlen sich Kinder, wenn sich ihre Eltern trennen

So fühlen sich Kinder, wenn sich ihre Eltern trennen
Dienstag März 14.03.2017 - 12:38 am

Eines Vorweg: Verständnisvolle Scheidungskinder gibt es nicht – ganz im Gegenteil: Eine Trennung bedeutet für jedes Kind eine Extremsituation, die es noch nie zuvor im Leben erlebt hat. Vielleicht kennt es die Bedeutung einer Trennung noch nicht einmal, sondern wird in seiner kindlichen Vorstellung von einer ganzheitlichen Familie, die aus Vater, Mutter und Kind besteht, komplett erschüttert…

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Jede dritte Ehe geschieden – einfach nur normal für die Kinder?

Nahezu jede dritte Ehe in Deutschland wird heutzutage geschieden. Auf dem Land sind die Zahlen dabei nicht ganz so dramatisch wie in der Großstadt, denn in großen Städten liegt die Scheidungsrate oft bei fast 50 Prozent.

Auch wenn es etwas paradox klingt: Für die betroffenen Kinder ist die so hohe Scheidungsrate zunächst einmal eine positive Nachricht. Denn eine Trennung unterliegt heute längst nicht mehr einem so starken gesellschaftlichen Makel, wie vor einigen Jahrzehnten noch. Scheidungskinder fallen nicht mehr auf und werden daher auch nicht stigmatisiert.

Eine Trennung der Eltern ist damit schon fast zum Normalfall geworden. Allerdings wird oft der Kehrseite der Medaille zu wenig Beachtung geschenkt…

Mehr Angst als früher

Was sich nämlich ebenfalls mit den letzten Jahrzehnten geändert hat, ist die deutlich gestiegene Angst der Kinder vor einer Scheidung der Eltern. Das liegt daran, dass das Problem allgegenwärtig ist. Kinder kennen oft schon so viele andere Kinder mit geschiedenen Eltern, dass sie sich nicht selten auch selbst bedroht fühlen. Sie wissen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Trennung heutzutage recht hoch ist.

Allerdings äußern Kinder diese Angst nur selten direkt. Sie tragen sie im Stillen verborgen tief in sich mit – und jedes Mal, wenn ihre Eltern sich streiten, entfacht die Angst aufs Neue. Besonders schlimm ist es dann natürlich, wenn die Streitereien heftiger werden oder ein Elternteil sogar mit dem baldigen Auszug droht.

Dass Kinder eine solche Angst von Natur aus in sich tragen, hat einen einfachen Grund: Kinder wollen einfach nicht, dass sich ihre Eltern trennen. Sie möchten, dass ihre Eltern zusammenbleiben. Dass sie möglichst lange ein glückliches Elternpaar sind und zusammen mit ihren Kindern viel Zeit gemeinsam verbringen – wenn möglich sogar ein Leben lang.

Denn so kennt man es eben aus Erzählungen und Märchen. Alle Kinder wünschen sich eine glückliche und harmonische Familie. Für sie ist es wie ein ungeschriebenes Naturgesetz, dass der Papa die Mama liebt und umgekehrt. Zusammen mit dem Kind oder den Kindern ergeben sie eben eine Familie – ein vollkommenes Bild.

Scheidung macht Kinder unglücklich

Wenn sich Eltern trennen oder scheiden lassen, sind die Kinder unglücklich. Etwas anderes zu behaupten wäre einfach falsch. Allerdings muss eine Scheidung oder Trennung noch lange nicht bedeuten, dass das Kind auf ewig unglücklich bleibt. Denn tatsächlich wird ein Großteil der Scheidungskinder den Kindern aus „normalen“ Familien nicht nachstehen – sie haben also keine erkennbaren Vor- oder Nachteile im Berufsleben, in der Schule oder ähnliches. Dies haben zwei groß angelegte Scheidungsstudien in den USA gezeigt, die Scheidungskinder über Jahrzehnte hinweg beobachtet haben.

Allerdings haben die Studien auch gezeigt, dass für Scheidungskinder ein erhöhtes Risiko besteht, wenn diese mit ihrem Leben nicht zufrieden sind oder nur schlecht zurechtkommen, sich an bestimmte Verhaltensregeln zu halten. Es scheint also, als würden Scheidungskinder eher dazu zu neigen, Regeln zu brechen, als Kinder als ungeschiedenen Elternhäusern. Dies sind jedenfalls die langfristigen Auswirkungen einer Trennung oder Scheidung.

So fühlen sich Kinder, wenn sich ihre Eltern trennen

Kurzfristig stecken Kinder eine Trennung bei Weitem nicht so leicht weg, wie die Eltern es gerne hätten. Ganz im Gegenteil: Sowohl für die Zwerge als auch für die Teenager stellt eine Trennung der Eltern eine regelrechte Tragödie dar.

Wenn Mutter oder Vater ausziehen, fühlt sich das Kind, als würde eine Epoche enden – es bricht für sie eine kleine Welt zusammen. Das Leben wird sich für sie nie wieder so anfühlen, wie vorher. Während die Eltern nur einen Teil ihrer Welt verlieren, verliert das Kind seine ganze Welt.

Geplagt von ständigen Ängsten kann das Kind oft nicht zwischen verschiedenen Fällen differenzieren. Sein Gefühl sagt ihm: Wenn der eine Elternteil geht, dann könnte irgendwann auch der andere gehen… Vielleicht nicht jetzt gleich, aber möglicherweise irgendwann?

Lehrer berichteten beispielsweise von Kinder, die kurz nach der Trennung nicht mehr nach Hause gehen wollten, weil sie Angst hatten, dort niemanden mehr aufzufinden.

Kinder suchen Schuld oft bei sich

Ein Umstand, den Eltern umgedingt wissen sollten, ist, dass Kinder die Schuld für die Trennung der Eltern sehr oft bei sich selbst suchen! Sie sagen sich zum Beispiel: Hätte ich doch mal mehr aufgeräumt. Hätte ich meinen Eltern doch nicht so viele Sorgen bereitet. Wäre ich doch in der Schule besser gewesen. Noch schlimmer sind Annahmen wie: Weil ich da bin, haben sie sich ständig gestritten.

Viele Sätze der Eltern bleiben im Gedächtnis der Kinder hängen und können ein Schuldgefühl verstärken: Du machst uns alles noch schwerer, weil du ständig quengeln musst!

Ersten zwei Jahre sind für Kinder am schwierigsten

Sämtliche wissenschaftliche Untersuchungen, die zu dem Thema durchgeführt wurden, haben deutlich gemacht, dass die ersten beiden Jahre nach der Trennung für die Kinder am schwierigsten zu bewältigen sind. In dieser Zeit brauchen Kinder die meiste Unterstützung! Wenn sie diese von beiden Eltern bekommen, dann stehen die Chancen sogar recht gut, dass das Ereignis im Nachhinein positiv verarbeitet wird.

Allerdings sollten Eltern diesen Umstand nicht nur wissen, sondern auch in die Tat umsetzen. Die Verantwortung für die eigenen Kinder liegt nämlich allein in den Händen der Eltern selbst – und nicht etwa bei den Kindern.

Alter des Kindes spielt ebenfalls wichtige Rolle

Natürlich spielen auch das Alter der Kinder und ihre Entwicklungspsychologie eine wichtige Rolle. Es ist logisch, dass das Ereignis von einem dreijährigen Kind ganz anders wahrgenommen und verarbeitet wird, als von einem 15-jährigen Kind. Dementsprechend variiert hier von Fall zu Fall auch die Herangehensweise, mit der die Eltern den Fall bearbeiten sollten.

Bei den kleineren Kindern ist beispielsweise das „magische Denken“ noch wesentlich stärker ausgeprägt. Dies kann die Schuldgefühle eines Kindes bei einer Trennung vervielfachen und verstärken. So, wie das kleine Kind zum Beispiel noch ohne einen rationalen Grund an den Osterhasen oder Weihnachtsmann glaubt, kann es auch glauben, dass sich die Eltern nun trennen, weil es im Auto einmal zu viel geschrien hat.

Ältere Kinder verfügen da bereits über wesentlich bessere Schutzmechanismen. Sie können sich zum Beispiel eigenständig von Freunden oder Bekannten, die ein ähnliches Schicksal erlebt haben, Hilfe und Zuspruch holen.

Diese Grundsätze sollten Eltern beachten

Ein paar wichtige Grundsätze sollten Eltern bei dem Thema Trennung unbedingt einhalten, unabhängig davon, wie alt das Kind ist. Zunächst ist es wichtig, dass mit dem Kind über den Entschluss gesprochen wird. Es sollte also auf jeden Fall über das bevorstehende Ereignis aufgeklärt werden. Alles andere könnte die Ängste nur verstärken und sogar zu irrationalen und völlig wirren Erklärungsversuchen des Kindes führen.

Wichtig: Das Ganze gilt übrigens auch für Kinder, die noch gar nicht sprechen können! Hier sollten Eltern versuchen, es in einer freundlichen und liebevollen Atmosphäre zu sagen: Mama und Papa werden sich trennen. Wir wissen, dass du darüber traurig sein wirst, aber wir haben es beschlossen. Trotzdem haben wir beide dich lieb und werden immer für dich da sein.

Hierbei sollte das Kind liebevoll und intensiv angeschaut werden. Der Blickkontakt ist für das Kind wie ein Versprechen. Das, was das Kind sieht, ist gerade bei sehr kleinen Kindern das wichtigste Kommunikationsmittel. Kinder spüren dabei auch Sicherheit oder Unsicherheit der Eltern, da sie sehr feinfühlig sind. Sie spüren, wenn die Eltern sie weiterhin lieben und für sie dasein wollen. Das gilt übrigens nicht nur für dreijährige Kinder, sondern auch für die 10-Jährigen.

Das müssen Eltern akzeptieren

Verständlicherweise wird kaum ein Kind mit der Trennung seiner Eltern einverstanden sein. Eltern müssen das natürlich akzeptieren. Sätze wie „Versteht doch, wir können einfach nicht mehr miteinander“ verfehlen dann komplett ihr Ziel.

Wenn Kinder dem Entschluss der Scheidung zustimmen, dann tun sie dies häufig übrigens auch nur, um weiteren Streit zu vermeiden oder um sich zumindest einen der Eltern noch als wohl gesonnen zu halten. Mit einem wirklichen „Verständnis“ hat das dann allerdings nichts zu tun.

So sollten Eltern dem Kind die Botschaft überbringen

Generell sollten Eltern ihrem Kind zusammen und gemeinsam sagen, dass sie sich trennen werden. Sie sollen nicht um den heißen Brei herumreden oder die Sache schönreden, sondern klare Worte sprechen.

Am besten ist, wenn sich die Eltern hierzu auf das Gespräch gemeinsam vorbereiten. Denn das Kind wird dieses eine Gespräch mit Sicherheit sein Leben lang im Gedächtnis behalten. Wie das Gespräch vorbereitet und geführt wurde, kann da schicksalsweisend sein!

Sehr wichtig: Wenn Sie mit dem Kind ins Gespräch gehen, sollten sie ihm auch deutlich machen, dass sich an der Liebe der Eltern zu ihm nie etwas ändern wird. Sie lieben es seit dem Tag seiner Geburt genau so wie heute und auch in Zukunft. Sie werden immer für das Kind da sein.

Sprechen Sie mit dem Kind auch an, dass es das Recht hat, über die Entscheidung traurig oder wütend zu sein. Es soll wissen, dass es seine Gefühle aussprechend darf. Sie als Eltern müssen die Gefühle und Emotionen des Kindes natürlich auch akzeptieren und aufnehmen. Es möchte sich von seinen Eltern eben verstanden fühlen. Zudem sollte dem Kind versichert werden, dass es keinerlei Schuld an der Trennung hat.

Dass man sich als Eltern nicht gegenseitig vor dem Kind schlecht macht, sollte übrigens klar sein!

Bildquelle: © gstockstudio – Fotolia.com



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