Alleinerziehende: Der wahre Altersarmut Skandal

am 19.02.2017

Dass Alleinerziehende viel zu wenig gefördert werden, ist bekannt – doch werden Alleinerziehende auch noch dafür bestraft, dass sie sich zu viel um ihre Kinder gekümmert haben?

Möchten Sie von Zuhause aus Geld verdienen?

Eins ist sicher. Die Rente.

Wer diesen Spruch noch glaubt, muss sehr leicht zu beeinflussen sein. Und vor allem mehr als optimistisch. Denn realistisch betrachtet ist die Rente alles andere als sicher. Schon heute weiß man, dass auf die Rentner der nächsten Jahre düstere Zeiten zukommen werden.

Was da wirklich im Informationsbrief der Deutschen Rentenversicherung steht, den man ab und zu bekommt, ließt sich leider kaum jemand durch. Und noch seltener versteht der Leser auch das, was auf dem Zettelchen geschrieben steht.

Alleinerziehende in Altersarmut

Laut einer Studie des Bundesfamilienministeriums gehen 68 Prozent der alleinerziehenden Mütter im Alter von 30 bis 50 Jahren davon aus, dass ihre Rente nicht zum Leben reichen wird. Immerhin scheinen die restlichen 32 Prozent noch an die Rente zu glauben – oder aber sie verdienen genug, um mit einer angemessenen Rente zu rechnen.

Woher aber soll ein Rentenanspruch kommen, wenn man aufgrund mangelnder Kinderbetreuung sowie mangelnder Akzeptanz am Arbeitsmarkt für Frauen einfach keinen angemessenen Job findet? Fakt ist: Viele Alleinerziehenden sind recht gut qualifiziert. Sie haben eine Ausbildung oder nicht selten sogar einen höheren Abschluss. Aber: Jede Zweite erhält keinen oder nur unregelmäßig Unterhalt für ihr Kind vom Vater. Natürlich gibt es auch viele alleinerziehende Männer, doch der Anteil der Frauen liegt bei den Alleinerziehenden bei unglaublichen 90 Prozent.

Dass die Alleinerziehenden tatsächlich motiviert sind, Geld zu verdienen, lässt sich sehr schön daran erkennen, dass mit rund 42 Prozent fast doppelt so viele Alleinerziehende Vollzeitjobs ausüben wie verheiratete Mütter. Bei diesen sind es nämlich nur 25 Prozent. Umso trauriger ist die Tatsache, dass etwa 42 Prozent aller Single-Eltern-Haushalte arm sind. Und dafür gibt es viele Gründe.

Zu harte Besteuerung

Zwar gibt es bereits einige Entlastungen für die Alleinerziehenden, doch im Endeffekt werden auch heute noch die Alleinerziehenden fast genauso hart besteuert wie Singles, die keine Kinder großziehen müssen.

Schlechte Ausgangssituation am Arbeitsmarkt

Besonders schwer haben es am Arbeitsmarkt Mütter, deren Kinder unter drei Jahre alt sind. Sie sind sogar wesentlich schwerer zu vermitteln als jemand, der keine Deutschkenntnisse oder keine Ausbildung hat – zumindest geht das aus einer Statistik des Instituts für Arbeits- und Berufsforschung hervor.

Eine gute Ausbildung und jede Menge Berufserfahrung nützen der alleinerziehenden Mutter gar nichts, wenn sie das Berufsleben für ihr Kind pausiert hat: Möchte sie wieder in die Arbeitswelt einsteigen, begegnet sie nicht nur jeder Menge Vorurteile, sondern auch dem Handicap, durch gut gemeinte Gesetze eher schlechtergestellt als bevorteilt zu werden.

Wie soll man als Alleinerziehender noch fürs Alter vorsorgen?

Oft hört man dann von Experten, dass die betriebliche Altersvorsorge gestärkt werde müsse, dass weitere Anreize gesetzt werden müssten, damit die Leute für ihr Alter vorzusorgen beginnen – manchmal wird sogar von einer verpflichtenden Riesterrente gesprochen… All diese Experten vergessen, dass es oftmals nicht der fehlende Wille zur Vorsorge ist, sondern ganz einfach das Geld, das fehlt.

Damit die Alleinerziehenden im Alter nicht ebenfalls von permanenter Armut geplagt werden, muss sich etwas ändern. Denn mit gut 20 Prozent aller Familien sind die Alleinerziehenden in Deutschland längst keine Randgruppe mehr, sondern eine ernstzunehmende Bevölkerungsschicht. Nicht zu vergessen, dass die Kinder, die später für die Zukunft des Landes Sorge tragen müssen, ebenfalls aus solchen Ein-Eltern-Familien stammen.

Sollten Kinder nicht ein Segen für den Staat sein?

Während die Armutsquote bei den Alleinerziehenden bei mehr als 40 Prozent liegt, sind nur 10 Prozent der Paare mit einem Kind arm. Allerdings ist auch hier die Tendenz steigend, je mehr Kinder der Haushalt hat. Mit drei oder mehr Kindern sind schon 25 Prozent der Paare von Armut betroffen.

Es mag etwas ungewöhnlich und absurd klingen, doch Kinder sind in diesem Land ein Armutsrisiko. Dies steht natürlich in einem krassen Widerspruch zu der Tatsache, dass die Kinder später einmal die Renten sichern sollen.

Es ist schon ungerecht, dass die Familien, die viele Jahre lang unter höchster Anstrengung die Kinder großziehen, die später einmal für die Renten der anderen Menschen sorgen sollen, mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst einmal an Altersarmut leiden werden.

Viel einfacher wäre es doch, keine Kinder zu haben, arbeiten zu gehen und dann mit einer vernünftigen Rente über die „faulen Alleinerziehenden“ oder gar Hartz-IV-Empfänger (sehr viele Alleinerziehende erhalten Sozialleistungen) zu schimpfen, die zu wenig für ihre eigene Rente getan haben.

Auch die Kinder spüren die Ängste ihrer Eltern

Kinder sollten ihre Eltern nicht angespannt und permanent müde sehen, weil sie so viel arbeiten müssen. Die Kinder spüren die stetige Anspannung der Eltern. Und Studien belegen, dass es den Kindern auch nicht gut tut.

Damit sich wirklich etwas ändert, muss das Kernproblem behandelt werden. Es nützt nichts, wenn Politiker nur an den Symptomen herumdoktern. Immerhin scheint sich gerade ein kleiner Umschwung bemerkbar zu machen.

Die Alleinerziehenden werden immer mehr als wichtiger Bestandteil der Bevölkerung wahrgenommen. Immer mehr Rufe der Forderung nach Unterstützung sind zu hören. Möglicherweise wird es schon bald die längst ersehnte Verbesserung geben, die sich viele Alleinerziehenden so sehr wünschen…

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