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Viele Asylbewerber kommen nach Deutschland und können sich nicht verständigen. Für eine Integration ist dies natürlich hinderlich, weshalb zahlreiche Sprachprogramme existieren, die mit vielem Millionen Euro finanziert werden müssen. Doch wirklich erfolgreich sind diese Programme nicht. Experten meinen zu wissen, woran das liegt.

Deutsch pauken – falsche Prioritäten?

Wer in Deutschland leben möchte, solle sich bitte vernünftig integrieren – so die allgemeine Haltung. Dazu ist auch ein gutes oder zumindest ausreichendes Deutsch notwenig. Das ist wichtig, damit sich Flüchtlinge im Alltag besser verständigen und Arbeit finden können. So ähnlich lautet es auf der Internetseite „Deutsch lernen“ des BAMF.

Doch kommt diese auferlegte Priorität bei den Migranten an? Einem Bericht der „Welt“ zufolge sollen die Maßnahmen eher schlecht als recht aufgenommen werden. Denn die Flüchtlinge, die in den Heimen ankommen, interessieren sich vor allem für ihre zurückgelassene Familien in den Krisengebieten. Oder für die Muttersprachler um sie herum – logisch.

Deutsch zu lernen ist für viele von ihnen nicht das Wichtigste auf der Welt. Manche halten Deutschlernen sogar für eine Verschwendung von wertvoller Zeit. Viele würden lieber sofort arbeiten und sich durch Leistung sinnvoll integrieren.

Sie wollen einfach loslegen. Doch stattdessen sollen sie zuerst verschiedene Vokabeln, Grammatik und die Schreibschrift lernen – denn Druckbuchstaben alleine reichen nicht aus.

Verpufft das Fördergeld der Sprachkurse im Nichts?

Die Bundesregierung gibt etwa 400 Millionen Euro für Sprachkurse aus. Schon der Bundesgerichtshof kritisierte, dass ein Großteil dieser Gelder einfach verpuffen würde. Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung, Planlosigkeit, und so weiter. Probleme gibt es viele. Doch ein besonders großes Problem ist die immense Anzahl der Flüchtlinge, die nach Deutschland drängte. Alles musste schnell gehen. Es mussten Systeme geschaffen werden, wo es noch keine gab.

Nun ist es jedoch zwei Jahre her, dass rund eine Million Flüchtlinge nach Deutschland geströmt sind. Dies sollte genug Zeit sein, ein funktionierendes Modell zu entwickeln, meinen Experten.

Wie sehen die Sprachkurse für Migranten aus?

Bis zu 80 Schüler, unterschiedliche Herkunftsländer, unterschiedliches Alter, unterschiedlicher Bildungsgrad – und oftmals sogar zu wenig Stühle. Die Voraussetzungen für funktionierende Sprachkurse sind leider nicht besonders gut. Verständlich, dass hierbei auch die Lehrer und Lehrerinnen an den Rand der Verzweiflung getrieben werden.

Unterschiedliche Bildungsvoraussetzungen

Und es gibt noch ein weiteres Problem: Viele der Migranten haben einen unzureichenden Bildungsabschluss. Manche haben nicht einmal die Grundschule in ihrem Land beendet. Ein Verständnis dafür, weshalb Bildung später wichtig sein könnte, fehlt vielen daher.

Sie wollen loslegen, einfache Arbeiten verrichten und sich auf diese Weise behilflich zeigen. Einem aktuellen Bericht des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zufolge verfügen knapp 60 Prozent der arbeitsuchenden Migranten aus den wichtigsten Asylländern über keinen Schulabschluss.

Interessanterweise gibt es jedoch auch das genaue Gegenteil: Flüchtlinge, die in ihrem Heimatland bereits einen hohen Bildungsabschluss genossen und teilweise sogar einen angesehen Beruf ausgeübt haben. Sie haben große Ziele in Deutschland und wissen daher genau, dass Sprache ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg sein kann. Eine höhere Bildung haben etwas 13 Prozent der arbeitsuchenden Migranten genossen. Sie sind hochmotiviert und lernen auch freiwillig Deutsch.

Bildquelle: © Frank Gärtner – Fotolia.com

 

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