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Die Unternehmensgruppe Amway aus den USA ist die größte weltweit operierende Multi-Level-Marketing Firma. Milliardenschwere Gewinne und eine riesige Mitgliederzahl sprechen für den mutmaßlichen Erfolg des Unternehmens. Doch seit der Gründung wurde oft Kritik an den Geschäftspraktiken laut und führte über die Jahre zu Anklagen und Verboten. Was ist dran an dem Vorwurf des Pyramidensystems und der Einflussnahme? Mehr dazu erfahren Sie hier.

Übersicht:

  • Amway: Die Unternehmensgruppe aus den USA
  • Wie funktioniert das Business Modell von Amway?
  • Der Vorwurf des illegalen Pyramidensystems
  • Was versteht man unter einem Pyramidensystem?
  • Weltweite Gerichtsverfahren und Verbote
  • Amways umstrittene Rolle in der Politik
  • Motivationsmechanismen in der Kritik

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Amway: Die Unternehmensgruppe aus den USA

Obwohl der Name „Amway“, kurz für „American Way“, hierzulande möglicherweise nur relativ wenigen ein Begriff ist, handelt es sich hierbei um die größte Multi-Level-Marketing (MLM) Firma der Welt. Sie vertreibt Produkte aus den Bereichen Gesundheit, Beauty und Haushalt, wie beispielsweise Produkte der Linie Nutrilite.

Gegründet wurde die Firma 1959 von Jay Van Andel und Richard DeVos und hat ihren Hauptsitz in Michigan, USA. Affiliate Firmen gibt es in über hundert Ländern weltweit.

Wie funktioniert das Business Modell von Amway?

Unter einem Multi-Level-Marketing Modell, wie Amway es weltweit betreibt, versteht man eine Art des direkten Verkaufssystems durch Händler. Dabei werden die Händler, bei Amway „Independent Business Owners“ (IBOs) genannt, nicht nur für den Vertrieb der Produkte belohnt, sondern auch für das Anwerben von weiteren Händlern.

Die Idee ist, sich durch einen kontinuierlichen Produktverkauf und gelungene Rekrutierungen für steigende Provisionslevel zu qualifizieren.

Der Vorwurf des illegalen Pyramidensystems

Seit seiner Gründung stand das Amway Unternehmen und seine folgenden Tochter- und Dachgesellschaften in verschiedenen Ländern weltweit in der Kritik, ein sogenanntes Pyramidensystem zu betreiben. Da diese in der Regel illegal sind, mussten die Amway Firmen sich über die Jahre mit entsprechenden Anklagen und sogar Verboten bis hin zu Beschlagnahmungen auseinandersetzen.

Was versteht man unter einem Pyramidensystem?

Bei einem Pyramidensystem wird ein Multi-Level-Marketing Modell so genutzt, dass am Ende mehr Geld über die Rekrutierung neuer Distributoren generiert wird als über den tatsächlichen Verkauf der Produkte.

Die Mitglieder werden also ausgebeutet, indem sie hohe Eintrittskosten für Ausrüstung und Training zu tragen haben sowie an weiteren Seminaren teilnehmen und sich zusätzliches Material kaufen sollen.

Während die Führungsebene ihre hohen Gewinne mit dem Anwerben, Ausbilden und dem Verkauf innerhalb des Unternehmens generiert, können die Händler mit den Provisionen ihre Ausgaben nicht decken und haben so im Gegenzug hohe Verluste zu tragen.

Weltweite Gerichtsverfahren und Verbote

Im Laufe der Jahre wurden die Firmen der Amway Unternehmensgruppe wiederholt der Nutzung des Pyramidensystems bezichtigt und mussten Strafen tragen. Im Jahr 1979 wurde die US-amerikanische Bundeshandelskommission, die Federal Trade Commisson (FTC) aufmerksam.

Das Ergebnis der Prüfung fiel negativ aus, jedoch wurden dem Unternehmen Auflagen erteilt, nach denen es in Zukunft seine Zahlen hinsichtlich der Durchschnittsgewinne und Profite durch Verkäufe offenzulegen hatte. Dabei stellte sich heraus, dass ein Händler im Durchschnitt weniger als 100 US-Dollar im Monat verdient.

Ein Verstoß gegen die Auflagen wurde 1986 mit einer Strafe von 100.000 US-Dollar geahndet.

In Kanada wurde Amway 1983 wegen Steuerhinterziehung und Zollbetrug angeklagt. Bei dem resultierenden Vergleich zahlte das Unternehmen 25 Millionen Kanadische Dollar.

1998 führte das öffentlich werden des Missbrauchs des Pyramidensystems in China zu regelrechten Aufständen und die Regierung verbot im Zuge dessen alle Firmen mit direktem Vertrieb, inklusive Amway. Mittlerweile konnte das Unternehmen eine spezielle Lizenz erwerben und China zählt heute als größter Absatzmarkt des Unternehmens.

Ein öffentlicher Aufschrei führte 2006 zu Razzien und Beschlagnahmungen bei den Händlern in Teilen Indiens durch die Andhra Pradesh Staatspolizei. Nach dem Vorwurf, das Unternehmen würde gegen den Prize Chits and Money Circulation Schemes Act verstossen, wurden sämtliche Büros, die mit Amway in Verbindung standen, geschlossen.

Auch im Vereinigten Königreich bezichtigte das Department of Trade and Industry (DTI) 2007 Amway unzulässiger Praktiken und plädierte für eine Liquidierung. In Kalifornien kam es 2010 zu einem Vergleich von 56 Millionen US-Dollar, nachdem gegen Amway wegen Betrugs, Erpressung und der Nutzung des Pyramidensystems Anklage erhoben wurde.

Amways umstrittene Rolle in der Politik

Neben den Vorwürfen der illegalen Geschäftspraktiken muss sich Amway auch Kritik an seiner Rolle in der Politik gefallen lassen, da das Unternehmen als großer Unterstützer der Republikaner gilt.

Im Jahre 1994 stellte es nahezu die Hälfte der Geldmittel der republikanischen Kongressabgeordneten Sue Myrick, die auch im Vertrieb Amways beschäftigt war. Über die Jahre folgten weitere finanzielle Unterstützungen republikanischer Kandidaten und politischer Gruppen.

Im Jahre 1997 gab es fünf republikanische Abgeordnete im Kongress, die gleichzeitig für Amway tätig waren. Zu der Zeit wurde auch eine Regelung erlassen, die es speziell Amway ermöglichte, bei dem Vertrieb im asiatischen Raum Steuern zu sparen.

Zusätzlich zu der finanziellen Unterstützung republikanischer Kongressabgeordneter sind auch Familienmitglieder der beiden Gründer selbst in der Politik tätig.

Während der Sohn des Gründers Richard DeVos Finanzvorsitzender des republikanischen Nationalkomitees war, saß dessen Frau der republikanischen Partei in Michigan mehrere Jahre vor. Gründer Jay Van Andel und sein Sohn wurden 1980 und 2001 zu Direktoren der US Chamber of Commerce gewählt und sitzen der privaten American Lobbying Organization vor.

Motivationsmechanismen in der Kritik

Neben den rechtlichen Vorwürfen und dem mutmaßlichen politischen Einfluss werden oftmals auch Stimmen ehemaliger Mitglieder laut, die von christlich konservativen Leitsätzen und sektenähnlichen Motivationsmechanismen innerhalb des Unternehmens berichten. Dies kann in zahlreichen Büchern, Interviews und Selbsthilfe-Websites für Aussteiger nachgelesen werden.

Bildquelle: © Sergey Nivens – Fotolia.com

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