Alleinerziehend in Deutschland zu sein ist schon lange keine Ausnahme mehr. Tatsächlich ziehen mehr als 2,2 Millionen Single-Mütter ihre Kinder alleine auf. Sie machen etwa 90 Prozent der Alleinerziehenden aus. Insgesamt besteht jede fünfte Familie heutzutage nur noch aus einem Elternteil. Und rund die Hälfte von ihnen leidet unter akuter Armut – sie sind auf Sozialhilfe angewiesen. Viele Alleinerziehende fühlen sich zurecht und den Umständen entsprechend von der Gesellschaft im Stich gelassen…

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Alleine schaffen, was zu zweit unmöglich war

Aus den unterschiedlichsten Gründen müssen Kinder mit nur einem Elternteil aufwachsen. Ob Streit und Trennung, Tod oder anderweitiger Verlust – Fakt ist, dass es Alleinerziehende nicht einfach haben. Sie müssen sich alleine um die finanziellen Angelegenheiten der Kleinfamilie kümmern, um die Erziehung, um den Haushalt und was sonst noch so ansteht.

In Großstädten stammt in manchen Grundschulen mittlerweile die Hälfte der Kinder aus Einelternfamilien. Und es werden immer mehr. Seit dem Jahr 1996 ist die Zahl der Alleinerziehenden in Westdeutschland um 25 Prozent angestiegen. Und eine Sache haben die Alleinerziehenden gemeinsam: Sie fühlen sich mit ihren Problemen im Stich gelassen…

Schnell kann es gehen: ein Kind, Streit mit dem Ex-Partner oder Verlust, und schon wird man an den Rand der Gesellschaft katapultiert. Oftmals ist es sogar egal, ob eine gute Ausbildung oder bereits Joberfahrung vorliegt. Als alleinerziehender Elternteil ist man stark eingeschränkt. Das spürt man unter anderem auch im Job.

Viele alleinerziehende Mütter müssen im Vorstellungsgespräch bohrende Fragen über sich ergehen lassen, wie: „Wer passt auf, wenn das Kind krank ist?“

Die Folge ist, dass sich ein erschreckender Großteil der Alleinerziehenden mit befristeten Jobs oder mit Teilzeitjobs herumschlagen muss. Ergänzend bekommt man dann noch Sozialhilfe oder etwas Wohngeld. Denn sonst würde es in vielen Fällen nicht zum Leben reichen. So ist gut die Hälfte aller Alleinerziehenden immer wieder von Arbeitslosigkeit betroffen. Etwa 24 Prozent sind nur geringfügig beschäftigt.

Und immer wieder sollte betont werden: Auch gut ausgebildete Frauen haben lange keine Garantie dafür, dass sie als alleinerziehender Elternteil einen Job bekommen. Denn das Problem ist das Kind, zumindest nach Einschätzung der Arbeitgeber. Doch das möchte und darf natürlich niemand im Vorstellungsgespräch zugeben. Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit zeigte: Alleinerziehende beziehen in der Regel deutlich länger Hartz IV als Kinderlose.

Es fehlt an Infrastruktur in der Betreuung

Damit Alleinerziehende sich besser in die Gesellschaft und ins Arbeitsleben integrieren können, fehlt es derzeit noch gewaltig an der sozialen Infrastruktur, die eine Betreuung der Kinder sichert. Die Folgen, die durch die Einelternerziehung einhergehen, sind verheerend. Die Armutsquote bei Alleinerziehenden liegt bei erschreckenden 40 Prozent.

Das ist mehr als dreimal so hoch wie der Bundesdurchschnitt. Außerdem belegen Studien, dass die Wahrscheinlich für ein Kind, später einmal selbst arm zu sein, besonders hoch ist, wenn es bereits in Armut aufwächst.

Die ersten zwei Jahre sind die härtesten

Nach zahlreichen Befragungen sagen die meisten Alleinerziehenden, dass die ersten zwei Jahre nach der Trennung mit Abstand die schwersten sind. Danach gewöhnen sich die meisten Frauen daran, den Alltag alleine zu stemmen. Außerdem haben sie dann gelernt, auf viele Dinge zu verzichten. Zum Beispiel auf eine schöne Wohnung, auf Kino, auf Restaurantbesuche oder auf andere Freuden des Lebens.

Es fehlt einfach das Geld. Doch nicht nur Geld ist eine zu knappe Ressource: Zeitmangel, Energiemangel, Männermangel. Zudem belastet die Alleinerziehenden immerzu ein schlechtes Gewissen. Doch irgendwie schaffen es die Frauen auch alleine – allerdings zu einem hohes Preis!

Das Schlimmste ist die Leere

Einige Alleinerziehende müssen mit der Einsamkeit kämpfen. Sie haben niemanden außer ihrem Kind, da sie sich nahezu vollständig von der Gesellschaft abgekapselt haben. Schnell kann das in eine seelische Krise führen.

Alleinerziehende sind rund doppelt so häufig von psychischen Erkrankungen betroffen wie verheiratete Frauen. Und etwa jede vierte Alleinerziehende wird irgendwann im Laufe ihres Lebens von einer Depression übermannt, aber auch Angst- oder Schlafstörungen können eintreffen.

Gerade das kann für den Nachwuchs fatale Folgen hinter sich ziehen. Das Ganze endete dann oft in einem Teufelskreis: Die Mutter, die ohnehin am Ende ihrer Kräfte ist, zerbricht sich zusätzlich den Kopf über immerwährende Vorurteile der Gesellschaft gegenüber Alleinerziehenden: „Da sieht man es wieder, nur in einer richtigen Familie ist der Nachwuchs gut aufgehoben.“

Kinder leiden mit

Wenn sich die Mutter von der Gesellschaft alleine und im Stich gelassen fühlt, dann zehrt das an ihren Kräften und an ihrer mentalen Verfassung. Es ist schier unmöglich für sie, dauerhaft für ihre Kleinen da zu sein, sie zu trösten und ihnen Mut zu machen. Das merken die Kinder natürlich. Für Mädchen ist es typisch, dass sie sich in sich selbst verkriechen. Jungen werden oft aggressiv.

Beide leiden an Lern- und Konzentrationsstörungen. Und schwedische Studien zeigen, dass Kinder aus Einelternfamilien etwa doppelt so häufig Probleme mit Alkohol und rund drei mal so häufig Probleme mit Drogen haben.

Komplett ohne Kontakt zum Vater

Zwar gibt es einige Väter, die sich gewissenhaft um ihre Kinder kümmern, doch Fakt ist auch, dass rund die Hälfte der Trennungskinder nach einem Jahr komplett den Kontakt zum Vater verliert. Der Kontakt bricht einfach ab. Und auch finanziell wird den Kindern seitens des Vaters nur selten geholfen. Etwa zwei Drittel aller geschiedenen Väter können oder wollen nicht Unterhalt zahlen.

Bildquelle: © SENTELLO – Fotolia.com

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